„102 Regelungen sind definitiv zu viel“

Studie für Handwerkskammer Dresden: Bürokratie verschlingt in kleinen Metallbau-Betrieben jährlich 596 Arbeitsstunden und 22.000 Euro Kosten
Dresden, 24. Oktober 2024. Selbst kleine sächsische Metallbau-Unternehmen mit nur fünf bis 15 Beschäftigten haben 102 bürokratische Pflichten. Um diese zu erfüllen, wenden diese Handwerksbetriebe jährlich 596 Arbeitsstunden auf – ein knappes Drittel der Arbeitszeit einer Vollzeitkraft also. Das hat eine Bürokratie-Studie der „Fachhochschule des Mittelstandes Bielefeld“ im Auftrag der Handwerkskammer Dresden ergeben. Die jährlichen Kosten pro Kleinbetrieb beziffern die Studienautoren auf rund 22.000 Euro.

Kammerpräsident: Unternehmen brauchen mehr Freiheit statt Bürokratie
„102 Regelungen sind definitiv zu viel“, betont Kammerpräsident Jörg Dittrich. „Notwendig sind strukturelle Reformen sowohl im Bund als auch im Freistaat, kein Klein-Klein und Weiter-So. Die Unternehmen brauchen mehr Freiheit, anstatt Bürokratie, die sie weiter einengt. Der Abbau der Bürokratie muss auch in Sachsen Chefsache werden.“
Entwaldung, Umweltschutz, Löhne in China und Arbeitsschutz in Bangladesch: Regelfluten in der Kritik
Einen Bürokratie-Abbau verspricht nahezu jede neue Regierung beziehungsweise Kommission auf EU-, Bundes- und Landesebene vor jeder Amtsperiode. In der Praxis allerdings sind die Berichts- und Abrechnungspflichten sowie weitere Regularien für die Wirtschaft gewachsen statt zu schrumpfen. Besonders in der Kritik stehen dabei regelmäßig die Datenschutz-Grundverordnung, aber auch jüngere Regelwerke wie das Lieferkettengesetz (das über Zulieferbeziehungen auch auf Kleinunternehmen durchschlägt), die Entwaldungsverordnung, Taxonomie-Verordnung und viele andere Vorgaben, mit der EU und Bund teils politische Ziele, die sie außenpolitisch nicht durchsetzen können, an die Wirtschaft weiter delegieren.
Um ihre wiederholten Forderungen nach einem tatsächlichen und nicht nur versprochenen Bürokratie-Abbau zu untermauern, hatte die Handwerkskammer Dresden die besagte Studie in Auftrag gegeben. Forscher und Handwerker wollen die Befunde nun noch genauer analysieren und dann daraus einen Forderungskatalog an die Politiker ausarbeiten.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: HWK DD, Oiger-Archiv, Deutschlandfunk.de, Stiftung Familienunternehmen, Wikipedia

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