Ifo warnt: Geburtenzahl sinkt in Ostdeutschland zu stark

Krieg und Krisen dämpfen Kinderwünsche
Dresden, 23. Oktober 2024. Kriege, Krieg und Kostensteigerungen im Alltag drücken die Geburtenzahlen weit stärker als bisher prognostiziert – vor allem in Ostdeutschland. Darauf hat die Dresdner Außenstelle des Wirtschaftsforschungsinstituts „Ifo“ hingewiesen. „Die Politik wäre gut beraten, diese Entwicklungen genauer zu beobachten, auch um mögliche Fehlentscheidungen beim Ausbau von Kita-Betreuung und Schulversorgung zu vermeiden“, warnt Prof. Joachim Ragnitz.
Im Osten sind die Geburtenzahlen zuletzt um 17,5 Prozent abgesackt
Laut Ifo wurden im Jahr 2021 in ganz Deutschland noch 795.500 Kinder geboren. 2023 seien es dann nur noch 693 000 Kinder gewesen, also knapp 13 Prozent weniger. Noch stärker war der Rückgang in Ostdeutschland mit minus 17,5 Prozent. „Das Gebärverhalten, ausgedrückt durch die Geburtenrate, hat sich in den vergangenen drei Jahren massiv verändert“, betonte der Forscher. „Sie liegt aktuell nur noch bei 1,35 Kindern je Frau, während es 2021 noch 1,58 Kinder je Frau waren.“ Insgesamt seien in den Jahren 2022 und 2023 fast 80.000 Kinder weniger geboren worden, als es zu erwarten gewesen wäre. Damit liegen die Rückgänge deutlich über früheren Prognosen, die sich aus dem demografischen Wandel ohnehin angeleitet hatten.
Auch Frauenmangel im Osten schuld
Dafür sieht er ein ganzes Bündel von Gründen. „Ganz offenbar haben die Coronakrise, der Ausbruch des Krieges in der Ukraine und die nachfolgenden Realeinkommenseinbußen aufgrund hoher Inflation viele junge Familien dazu bewogen, mögliche Kinderwünsche erst einmal aufzuschieben“, meint Prof. Ragnitz. In Ostdeutschland komme der langfristige Frauenmangel hinzu, der durch die Abwanderung junger Frauen seit der Wende ausgelöst wurde. Vor allkem die Zahl der Frauen im Alter zwischen 27 und 36 Jahren sei im Osten stark rückläufig ist. Auf sie entfallen aber die meisten Geburten.
Quelle: Ifo Dresden

Ihre Unterstützung für Oiger.de!
Ohne hinreichende Finanzierung ist unabhängiger Journalismus nach professionellen Maßstäben nicht dauerhaft möglich. Bitte unterstützen Sie daher unsere Arbeit! Wenn Sie helfen wollen, Oiger.de aufrecht zu erhalten, senden Sie Ihren Beitrag mit dem Betreff „freiwilliges Honorar“ via Paypal an:
Vielen Dank!

