Heizen mit Eis: Sachsen weitet Tests der „Aqva Heat“-Technologie aus

Hochschule Zittau/Görlitz bekommt 3,7 Millionen Euro für neue Entwicklungsphase
Zittau/Dresden, 24. Oktober 2024. Weil die Sachsen mit der Möglichkeit liebäugeln, in der Lausitz ganze Wohngebiete und Betriebe mit Tagebau-Eiswasser zu heizen, baut die Hochschule Zittau/Görlitz eine entsprechende Aquathermie-Testanlage aus und will sie unter dem Codenamen „Aqva Heat III“ im Langzeitbetrieb erproben. Energieminister Wolfram Günther (Grüne) hat dem Forschungsteam dafür jetzt 3,7 Millionen Euro Fördergeld zugesagt. Das geht aus einer Mitteilung des sächsischen Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (Smekul) hervor.
Energieminister sieht in Lausitzer Tagebau-Seen viel Potenzial für Energiewende
„In dem Projekt wird anwendungsorientiert für die Energiewende geforscht“, lobt der Minister. „Die Potenziale gerade auch für Aquathermie sind riesig. Wir haben schließlich die großen Wasserflächen der ehemaligen Braunkohletagebaue. Vor dem Hintergrund der Klimakrise und weil wir auf dem Weg zur Klimaneutralität sind, brauchen wir diese Technologien für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung.“
Am Kälteinstitut ILK Dresden entwickelt
Die Technologie dahinter hat das Institut für Luft- und Kältetechnik (ILK) Dresden erarbeitet. Die Dresdner Zuse-Forscher haben „Aqva Heat“ dann gemeinsam mit der Hochschule Zittau/Görlitz sowie der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) in Zittau weiterentwickelt. Die daraus entstandenen Aquathermie-Anlagen holen sich Wasser aus einem Fluss oder See, bringen es bei Unterdruck bis nahe an einen Tripelpunkt – und damit den Gefrierpunkt – und übergeben dieses pumpbare Flüssigeis dann an eine Wärme-Pumpe. Die bereitet die thermische Energie im Wasser für Heizungen oder Kühlaggregate auf.
Forscher: Wir kommen dem Traum einer ganzjährig nutzbaren Wärmequelle näher
Diese Technik hatten die Hochschule und das ILK zuvor bereits im Kraftwerkslabor Zittau im Demo-Maßstab getestet. „Der nun geförderte 3. Projektabschnitt umfasst die Inbetriebnahme, Langzeiterprobung und wissenschaftliche Begleitung der Forschungsanlagen“, heißt es aus dem Umweltministerium. Damit komme Sachsen „dem Traum der Erschließung einer bisher kaum beachteten, aber umweltfreundlichen und ganzjährig nutzbaren Wärmequelle einen Schritt näher“, meint Hochschul-Forscher Thomas Gubsch. Er und seine Kollegen wollen die neue Technik in der neuen Entwicklungsphase bis zum Februar 2027 an zwei Standorten praxisnah testen.
Das ILK erprobt und installiert „Aqva Heat“-Anlagen parallel dazu in den eigenen Dresdner Laboren, an Tagebau-Seen der Lausitz, in Technologiebetrieben wie „Sachsenkälte“, in einem neuen Wohnviertel von Bremen und an anderen Orten. So wollen die Kältetechnik-Ingenieure Erfahrungen sammeln, wie und wofür sich ihre Technologie praktisch einsetzen lässt.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Smekul, ILK, Oiger-Archiv, Wikipedia, HSZG

Ihre Unterstützung für Oiger.de!
Ohne hinreichende Finanzierung ist unabhängiger Journalismus nach professionellen Maßstäben nicht dauerhaft möglich. Bitte unterstützen Sie daher unsere Arbeit! Wenn Sie helfen wollen, Oiger.de aufrecht zu erhalten, senden Sie Ihren Beitrag mit dem Betreff „freiwilliges Honorar“ via Paypal an:
Vielen Dank!

