Vakuumeis à la Sachsen soll Überseeinsel Bremen heizen

Für die Transformation der Kelloggswerke zum Wohnviertel steuert das Dresdner Kälteinstitut ILK „Aqva Heat“-Technik bei
Dresden/Bremen, 26. Juni 2024. Als Paradebeispiel, wie sich eine ganze Wohninsel ökologisch nachhaltig mit Energie versorgen lässt, wird das Dresdner Institut für Luft- und Kältetechnik (ILK) auf der Bremser „Überseeinsel“ seine „Aqva Heat“ genannte Flüssigeis-Heiztechnik installieren. Dieser Vakuum-Flüssigeis-Erzeuger soll dort eine Großwärmepumpe ergänzen, die sich thermische Wärme aus der Weser zieht. Das hat Ingenieure Marcus Honke angekündigt, der in dem Privatinstitut die Forschungsrichtung „Wasser als Kältemittel“ leitet.
Einstige Frühstücksflocken-Fabrik soll Vorzeige-Viertel werden
Hintergrund: Private Investoren wollen in Bremen die Weser-Insel, auf der früher eine „Kelloggs“-Fabrik ihre Frühstücksflocken hergestellt hat, zu einem zukunftsweisenden Wohnviertel transformieren. Den Strom sollen Wind- und Solaranlagen liefern. Die Heiz- und Kühlenergie wollen die Planer aus dem Weserwasser gewinnen, mit einer Kombination aus Wärmepumpen, thermischen Energiespeichern – und eben der noch jungen ILK-Vakuumeis-Technik. Diese für 500 Kilowatt Leistung ausgelegte „Aqva Heat“-Anlage soll pro Jahr bis zu 20 Megawattstunden liefern.
Flüssigeis-Heizung inzwischen mehrfach getestet
Die Technologie dahinter hatte das ILK in den vergangenen Jahren entwickelt und inzwischen an Braunkohle-Seen und am Fluss Mandau in Zittau getestet. Auch das Unternehmen „Sachsen Kälte“ will diese Technik in seinem Ausbaukomplex im Dresdner Norden einsetzen.
Anlage bringt Weser-Wasser an den Tripel-Punkt
Das Konzept dahinter: Spezielle Anlagen pumpen aus Flüssen oder Seen das Wasser, bringen es in Vakuumkammern an den sogenannten „Tripel“-Punkt, „in dem Temperatur und Druck dreier Phasen im thermodynamischen Gleichgewicht stehen“. Das heißt, das Wasser liegt bei Unterdruck sowohl flüssig wie auch gasförmig und vereist vor. Während sich Kristalle in dieser Triple-Flüssigkeit bilden, steigt Dampf auf und entzieht dem Wasser dabei Wärmeenergie. Der Dampf wird verdichtet und setzt später, wenn er kondensiert, die gebundene Wärmeenergie frei. Sie kann dann mit Wärmepumpen aufbereitet werden. Das verbleibende pumpbare Flüssigeis kann die Anlage entweder zwischenbunkern. Dies will das ILK eben auch auf der „Überseeinsel“ in Bremen einsetzen.
Firma ausgegründet
Mittlerweile sei die Technologie so fortgeschritten, dass das Institut auf dieser Basis eine Firma „Aqva Heat“ ausgegründet habe, berichtete Marcus Honke. Das Unternehmen residiert in Zittau und ist in Kooperation mit der Hochschule Zittau/Görlitz und der „Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg“ (BTU) entstanden.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: ILK, Oiger-Archiv, Wikipedia, Xing, Überseeinsel GmbH, HSZG

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