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Bosch gründet Quantensensor-Firma

Blick in einen Quantentechnologie-Labor bei Bosch. Foto: Bosch
Blick in einen Quantentechnologie-Labor bei Bosch. Foto: Bosch

Unternehmen soll hochpräzise Kreiselkompasse und Mensch-Maschine-Schnittstellen zur Marktreife führen

Ludwigsburg/Stuttgart, 17. Februar 2022. Bosch gründet ein eigenes Unternehmen, das hochpräzise Quantensensoren zur Marktreife führen soll. Der schwäbische Elektronikkonzern sieht für die winzig kleinen Kreiselkompasse, Magnetfeldmesser und anderen Sensoren auf der Basis von Quanteneffekten unter anderem Potenziale in der Medizintechnik, für Smartphones und den Automobilbau. Das Unternehmen rechnet mit einem Marktvolumen von rund sieben Milliarden Dollar in den nächsten Jahren und stützt sich dabei auf eine McKinsey-Prognose.

„Quantentechnologie verschiebt die Grenzen des Machbaren“

„Die Quantentechnologie verschiebt die Grenzen des Machbaren – sowohl im Bereich der Datenverarbeitung als auch der Sensoren“, betont Jens Fabrowsky, der bei Bosch für die Automobilelektronik und Halbleitersparte zuständig ist. „Bosch forscht seit Jahren intensiv im Bereich der Quantensensorik und wir sehen uns hier weltweit in einer führenden Position. Künftig möchten wir daraus auch Geschäftsmodelle entwickeln.“

1000 Mal genauer als MEMS-Chips

„Quantensensoren nutzen die einzelnen Atome eines Gases oder Defekte in Festkörpern als atomare Messinstrumente“, erklären die Bosch-Experten. „Durch deren gezielte Initialisierung vor der Messung und dem Auslesen individueller Quantenzustände nach der Messung erreichen Quantensensoren eine noch nie dagewesene Präzision. Dank der Quantentechnologie wird es in absehbarer Zeit möglich sein, in Größenordnungen um den Faktor 1000 genauer zu messen als mit heutigen MEMS-Sensoren (MEMS; mikro-elektro-mechanisches System). Quantensensoren können beispielsweise helfen, neurologische Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson genauer und einfacher zu diagnostizieren. Außerdem können mit ihnen Nervenimpulse erfasst werden, um künftig zum Beispiel medizinische Prothesen anzusteuern. Auch die Detektion feinster Lageänderungen von Gegenständen wird mit solchen Sensoren möglich.“

Erste Demonstratoren liegen vor

Bosch forscht seit sieben Jahren an Quantensensoren und hat laut eigenem Bekunden „voll funktionsfähige und leistungsstarke Demonstratoren eines Quanten-Magnetometers und eines Quanten-Gyrometers“ entwickelt. Langfristiges Ziel sei die weitere Miniaturisierung bis hin zur Integration auf einem Chip.

Ausgründung in Ludwigsburg

Bosch will sein neues Quantensensor-Unternehmen im Frühjahr 2022 in Ludwigsburg ansiedeln. Chefin des zunächst 15-köpfigen Teams ist die promovierte Physikerin Katrin Kobe. Im Laufe des Jahres soll die Belegschaft auf 20 Beschäftigte wachsen.

Wo Bosch künftige Quantensensor-Chips in Großserie produzieren wird, bleibt abzuwarten. Ihre derzeit größte und modernste Halbleiterfabrik betreiben die Schwaben in Dresden.

Quelle: Bosch

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger