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Antike Hassreden: Schon die alten Römer waren stolz auf ihre Beleidigungen

Auch Cicero - hier bei der Anklage von Catilina - teilte verbal rücksichtslos aus. Öffentliche Beleidigungen gehörten im antiken Rom gewissermaßen zum "guten Ton". Abb.: Fresko in der Villa Madama in Rom, 1888, Repro: Wikipedia, Public Domain
Auch Cicero – hier bei der Anklage von Catilina – teilte verbal rücksichtslos aus. Öffentliche Beleidigungen gehörten im antiken Rom gewissermaßen zum „guten Ton“. Abb.: Fresko in der Villa Madama in Rom, 1888, Repro: Wikipedia, Public Domain

Dresdner Historiker: Schmähungen des Gegners schweißten Anhänger zusammen

Dresden, 26. August 2018. Oft beklagen Internetnutzer, wie die Sitten im Internet verrohen,. Wer aber denkt, so etwas wie „Hate Speech“ (Hassrede) und andere Schmähungen („Invektiven“) habe es früher nicht gegeben, täuscht sich: Öffentliche Beschimpfungen, auch unter der Gürtellinie, gab es schon im antiken Rom, betont der Althistoriker Dr. Martin Jehne von der TU Dresden. „Heftige Abwertungen des politischen Gegners schweißten die Unterstützergruppe zusammen und sorgten für Aufmerksamkeit, Unterhaltung und Empörung – ähnlich wie Beleidigungen, Drohungen und Hate Speech heute im Internet.“

Volk durfte beleidigen – aber nicht beleidigt werden

„Der berühmte Redner und Politiker Marcus Tullius Cicero (106–43 v. u. Z.) etwa schreckte, als er seinen Unterstützer Sestius verteidigte, nicht davor zurück, dem Feind Clodius öffentlich Inzest mit Brüdern und Schwestern vorzuwerfen“, erzählt Jehne. Die Römer seien regelrecht stolz auf ihre elaborierten Beleidigungen gewesen, die sie von den Landeiern ringsum unterscheiden würden. Nur ein Tabu habe es gegeben: Politiker mussten sich vom Volk öffentlich beschimpfen lassen, durften aber keineswegs umgekehrt das Volk beleidigen – „ein Ventil, das in einer tiefen Spaltung in arm und reich die Allmachtsphantasien der Elite begrenzte“.

Prof. Martin Jehne. Foto: TU Dresden
Prof. Martin Jehne. Foto: TU Dresden

Jehne: Können von Römern lernen

Zugleich plädiert der Dresdner Historiker dafür, sich von den alten Römern eine Scheibe abzuschneiden: „Eine gewisse römische Robustheit im Umgang mit Schmähgemeinschaften wie AfD oder Pegida könnte helfen, den Aufregungspegel zu senken und sachlicher zu werden.“

Autor: hw

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger