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Infineon richtet Entwicklungszentrum für Autoelektronik in Dresden ein

Infineon Dresden. Foto: Infineon
Infineon Dresden baut aus. Foto: Infineon

250 Spezialisten sollen Produkte und KI-Lösungen entwickeln

Dresden/München, 11. Mai 2018. Das deutsche Halbleiter-Unternehmen Infineon richtet in Dresden ein neues Entwicklungszentrum ein. Das hat Konzernchef Reinhard Ploss in München angekündigt. Das Zentrum wird mit zunächst rund 100 neuen Mitarbeitern gegen Jahresende 2018 starten und später zirka 250 Ingenieure, Wissenschaftler und andere Spezialisten beschäftigen. Sie sollen in Dresden neue Produkte und Lösungen für Steuerelektronik, Leistungselektronik und Künstliche Intelligenz (KI) in Autos entwickeln – vor allem auch für Elektro- und Roboterautos.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) Foto: Heiko Weckbrodt
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) Foto: Heiko Weckbrodt

Minister freut sich über tolle Nachrichten

„Es sind tolle Nachrichten, die heute von Infineon kommen“, begrüßte der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) die Ankündigung. Er sehe darin „eine neue strategische Qualität für die Mikroelektronikindustrie in Sachsen.“ Die Entscheidung zeige, „dass Sachsen nicht nur als Produktionsstandort für Halbleiter interessant ist, sondern auch als Entwicklungsstandort mit Zukunftsthemen, wie etwa Künstlicher Intelligenz, verbunden ist“.

Aufwertung für den Produktionsstandort

Die Entscheidung sei klar als Aufwertung für den Standort zu sehen, betonte der Dresdner Infineon-Sprecher Christoph Schumacher. Zum einen hatte der Standort-Geschäftsführer Raik Brettschneider erst kürzlich im Oiger-Interview angekündigt, in den nächsten drei Jahren rund 300 neue Jobs in der Fertigung zu schaffen und die Leistungshalbleiter-Fab auszubauen. Dazu kommen in den nächsten fünf Jahren außerdem die 250 neuen Entwickler-Jobs hinzu.

In den Dresdner Chipfabriken von Infineon werden viele "Industrie 4.0"-Prinzipien schon heute erprobt - auch das Miteinander von Roboter und Mensch. Erst kürzlich hatte der Halbleiterkonzern auch die Wafer-Transporte noch einmal nachautomatisiert. Foto: Heiko Weckbrodt
In den Dresdner Chipfabriken von Infineon werden viele „Industrie 4.0“-Prinzipien schon heute erprobt. Nun dockt der Konzern auch ein Zentrum für Produktentwicklung an. Foto: Heiko Weckbrodt

Fokus zunächst auf Autoelektronik

Andererseits hatte der Konzern in Dresden bisher vor allem Bauelemente für Auto-, Sicherheits-, Konsum- und Industrie-Elektronik produziert, außerdem hier die dafür nötigen Produktionsprozesse verfeinert. Mit dem neuen Zentrum kommt nun auch die Produkt-Entwicklung hinzu. Die Spezialisten sollen zunächst vor allem Steuerchips, Sensoren sowie Elektronik für starke Ströme und Spannungen (Leistungshalbleiter) im Auto entwickeln. Außerdem sind Lösungen gefragt, um die zahlreichen Umgebungsdaten, die moderne Autos mit ihren Laser-, Radar- und Kamerasensoren sammeln, rasch und in Echtzeit zu verarbeiten. Solche KI-Algorithmen werden auch für die intelligente Verkehrssteuerung in „Smart Cities“ benötigt. Während anfänglich vor allem der Geschäftsbereich für Autoelektronik dieses neue Dresdner Entwicklungszentrum nutzen wird, soll es später auch für Sicherheits- und andere Lösungen eingespannt werden.

Enge Verbindung zwischen Entwicklung und Produktion erhofft

Die Standort-Entscheidung für Dresden hatte vor allem zwei Gründe: Einerseits sprach die breite Forschungs- und Zulieferlandschaft für die sächsische Landeshauptstadt. Andererseits produziert der Halbleiterkonzern hier ohnehin viele Chips, die später in Autos eingesetzt werden. Sprich: Das Entwicklungszentrum kann seine Ergebnisse rasch auf Produktionsreife überprüfen. „Durch die direkte Anbindung an den Entwicklungs- und Fertigungsstandort Dresden schaffen wir Synergien“, betonte Infineon-Boss Ploss. „Das wird uns helfen, neue Produkte schneller zu entwickeln und früher auf den Markt zu bringen.“

Reinhard Ploss. Foto: Infineon
Reinhard Ploss. Foto: Infineon

Dresdner Zentrum soll „führende Position“ für Infineon sichern

Größere Investitionen sind mit dem neuen Zentrum allerdings vorerst nicht verbunden, erklärte Standortsprecher Schumacher auf Anfrage: „Wir nutzen die vorhandene Infrastruktur und unsere Büroflächen vor Ort.“ Die Erwartungen der Konzernspitze sind derweil hoch gespannt: „Bei Elektromobilität und automatisiertem Fahren gehören wir zu den Technologieführern“, unterstrich Peter Schiefer, der bei Infineon den Geschäftsbereich „Automotive“ leitet. „Mit dem neuen Entwicklungszentrum in Dresden werden wir unsere führende Position weiter ausbauen.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

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