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Kleiner Teddy auf großer Reise

Steiff-Teddy aus dem Jahr 1905. Foto: Heiko Weckbrodt
Steiff-Teddy aus dem Jahr 1905. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdner Sammler bereitet größte mobile Teddy-Ausstellung Deutschlands vor

Der Dresdner Spielzeug-Sammler Lutz Reike bereit die größte mobile Teddybär-Ausstellung Deutschlands vor: Sie soll zuerst in Dresden zu sehen sein und dann durch Amerika touren. „Im kommenden Jahr jährt sich die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und der amerikanischen Stadt Columbus zum 25. Mal“, verweist der passionierte Sammler auf einen aktuellen Anlass für sein Projekt.

Knasttischler zimmern Reisegepäck für die Bärchen

Aus seiner insgesamt rund 1200 historische und moderne Spielzeugbären umfassenden Kollektion sucht Reike derzeit die 100 besten Teddys aus. Für sie lässt er derzeit in der Dresdner Knast-Tischlerei mannsgroße Reisekoffer bauen, in denen die Bärchen auf Übersee-Reise gehen werden. Der erste Vitrinenkoffer ist nun fertig. Als Vorgeschmack auf die große Ausstellung Reike will diesen ersten Vitrinenkoffer samt einiger besonders wertvoller alter Bären mindestens bis Weihnachten im Dresdner Simmelzentrum am Albertplatz ausstellen. In diesem Premieren-Koffer sitzt auch ein besonders seltener Steiff-Teddy aus dem Jahr 1905, für den Sammler heutzutage durchaus 8000 bis 10.000 Euro hinblättern würden. Aber auch neuartige Teddy-Reproduktionen aus dem 3D-Drucker sind ausgestellt.

Der erste Reisekoffer für die Teddys ist fertig und ist bis Weihnachten im Simmel-Center am Albertplatz ausgestellt. Foto: Heiko Weckbrodt
Der erste Reisekoffer für die Teddys ist fertig und ist bis Weihnachten im Simmel-Center am Albertplatz ausgestellt. Foto: Heiko Weckbrodt

Teddys in Tretautos

Sind alle Koffer fertig gezimmert und elektrifiziert, will Reike einige seiner Teddys in Tretautos zwischen den mobilen Vitrinen hin und her fahren lassen: Die ältesten Bären natürlich im Oldtimer, die DDR-Teddys im Moskwitsch-Tretauto. Außerdem habe die Dresdner Firma eKiosk Schau-Bildschirme bereitgestellt, die die Ausstellungsbesucher per Gesten steuern werden und die mehr über die Sammlung und die Geschichte der Teddys erzählen werden. Wann genau die große Ausstellung startet, hängt von der Hilfe der Dresdner ab.

Lutz Reike zeigt seine Teddys in der eigens entworfenen Reisekiste, die aufgeklappt zur Museumsvitrine wird. Foto: Peter Weckbrodt
Lutz Reike zeigt seine Teddys in der eigens entworfenen Reisekiste, die aufgeklappt zur Museumsvitrine wird. Foto: Peter Weckbrodt

Sammler braucht noch Hilfe für Finanzierung

Denn zugleich bittet der Sammler um das Zutun der Dresdner: Einerseits können sie nun Teddys einschicken, die eine besondere persönliche Geschichte haben, die sie dann in Columbus, St. Louis und anderen US-Städten den Amerikanern erzählen können. Zum anderen bittet Lutz Reike um finanzielle Unterstützung sächsischer Unternehmen: Jeder Reisekoffer wird ihn um die 1800 Euro kosten, 14 Koffer voller tierischer Botschafter aus Dresden will er auf Reisen schicken – aber dies ist für ihn als Privatmann kaum bezahlbar. „Die Unternehmen, die mir helfen, können gerne auch auf den Reisekoffern für sich werben“, verspricht der Sammler.

Eisbär-Teddy wird von Reise vom Nordpol zum Südpol im Internet berichten

Ein erstes Bärchen geht übrigens schon recht bald auf Reisen: Extremläufer Robby Clemens will im kommenden Jahr vom Nordpol zum Südpol laufen – und einen kleinen Eisbär-Teddy aus Reikes Sammlung mitnehmen. „Der Teddy wird auf Youtube und Facebook aus aller Welt über unsere Reise berichten“, versprach Robby Clemens.

Wie alles begann

Reicke selbst sammelt Teddybären seit 1997: vor allem historische, aber auch modernere, „denen man ansieht, dass sie jemand lieb gehabt hat“, wie der Diplom-Museologe selbst sagt. Einen Schub bekam seine Sammelleidenschaft durch eine Teddy-Ausstellung im alten Intecta-Haus in Dresden. Er begann, ein Piratenschiff, einen Zeppelin und andere Exponate für die Teddys in dieser Exposition zu basteln und sich immer intensiver mit der Geschichte dieses Spielzeugs zu beschäftigen. Die ist vor allem eng mit zwei Personen verbunden: mit der Spielzeug-Unternehmerin Margarete Steiff, die 1902 den ersten Plüschbären mit beweglichen Armen vorstellte, und mit dem US-Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt, der nach einer Jagdepisode mit Plüschbären assoziiert wurde.

Autor: Heiko Weckbrodt

 

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

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