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Otto Horn – ein Weinhändler, Kunstfreund und Sammler

Ernst Otto Horn (1880 -1945). Repro: KünkerErnst Otto Horn (1880 -1945). Repro: Künker
Ernst Otto Horn (1880 -1945). Repro: Künker

Teil 1: Eine Meißner Sammlung beschäftigt jahrelang Dresdner Gerichte

Dresden. Jahrelang haben der Freistaat Sachsen und die Horn-Stiftung einen zähen Rechtsstreit um eine Münzsammlung geführt, die einem vorher wenig bekannten Weinhändler namens Horn gehörte. Neuerdings taucht dieser Name wieder auf. Da werden auch auf Dresdner Auktionen Riesenbeträge für Plastiken und alte Uhren eben von diesem Horn bezahlt. Aber wer ist denn dieser Horn eigentlich?

Fast vergessener Magnat

Tatsächlich kannte noch vor wenigen Jahren nur ein kleiner Kreis von Kunstkennern, vorzugsweise von Numismatikern, den Namen des Meißner Geschäftsmannes, Kunstliebhabers und Sammlers Otto Horn. In Meißen war er sicher den Alteingesessenen als erfolgreicher Geschäftsmann noch in vager Erinnerung. In der sächsischen Landeshauptstadt blieb er hingegen völlig unbekannt. Das änderte sich, als der Freistaat Sachsen über mehrere Jahre hinweg gegen die Stadt Meißen beziehungsweise die restituierte Otto-und-Emma-Horn-Stiftung aus Meißen um die Münzsammlung eben dieses Otto Horn prozessierte. Die Öffentlichkeit erfuhr, dass es sich um eine außerordentlich große, in ihrer Art sogar einzigartige Sammlung handele, die dieser Horn zwischen den beiden Weltkriegen zusammengetragen haben soll.

Diese Spineltaschenuhrenwerke aus der Horn-Sammlung verloren vermutlich während des Ersten Weltkrieges ihre goldenen Gehäuse. Foto: Peter Weckbrodt
Diese Spineltaschenuhrenwerke aus der Horn-Sammlung verloren vermutlich während des Ersten Weltkrieges ihre goldenen Gehäuse. Foto: Peter Weckbrodt

Münzen für Millionenbetrag angekauft

Der Freistaat und private Spender brachten schließlich 1,1 Millionen Euro auf, um für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bis 2014 insgesamt 10.554 Münzen und Medaillen aus Horn-Sammlung anzukaufen. Insgesamt gehörten damals zu dieser Sammlung 46.043 Münzen und Medaillen.

Eine der letzten großen privaten Universal-Sammlungen in Sachsen

Der Dresdner Münzkabinett-Direktor Rainer Grund und seine Mitarbeiter haben gesamte Hornsche Sammlung wissenschaftlich aufgearbeitet und digital erfasst. In einer Sonderausstellung im Sponselsaal des Neuen Grünen Gewölbes konnte die Öffentlichkeit zwischen Oktober 2014 und Januar 2015 eine Auswahl der schönsten und wertvollsten Münzen und Medaillen bestaunen. Grund wertete bei der Gelegenheit die Hornsche Sammlung als letztes Zeugnis der einstmals in Privathand in Sachsen vorhandenen Universalmünzensammlungen. Durch den Ankauf wären, so begründete Grund die Millioneninvestition, wichtige Stücke in das Münzkabinett gekommen, die bisher dort nicht oder in anderen Varianten vertreten waren. Dazu zählte er die sächsischen Prägungen der Albertiner und Ernestiner, aber auch vorzügliche Talerprägungen aus den Reichskreisen des Heiligen Römischen Reiches.

Uhren unterm Hammer

Im Oktober 2015 versteigerte das Dresdner Kunstauktionshaus Günther wertvolle mittelalterliche sächsische Skulpturen aus einer weiteren Sammlung Horns und erzielte dabei über 500.000 Euro. In einer weiteren Auktion kamen Horns Uhren, darunter seltene Spindeltaschenuhren aus dem 16. und 17. Jahrhundert, unter den Hammer. Im weltweit agierenden Osnabrücker Auktionshaus Künker sind Hornsche Münzen in fünf Auktionen mit Millionen-Erträgen versteigert wurden.

Diese konzentrierte Aufbietung hochwertiger Hornscher Sammlungsobjekte provoziert weitergehende Fragen auf: Woher kam dieser Horn, wie konnte ein einzelner Mensch allein solche hochwertigen Sammlungen zusammentragen und bezahlen?

Autor: Peter Weckbrodt

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Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

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