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Deutsche Autoexporte nach China um ein Drittel eingebrochen

VW-Fabrik im chinesischen Foshan. Seit fast vier Dekaden investiert die deutsche Autoindustrie bereits im Reich der Mitte und hat vom dortigen Engagement auch stark profitiert - wenngleich die Umsätze in jüngster Zeit schwächeln. Foto: Volkswagen AG, Pressefoto
VW-Fabrik im chinesischen Foshan. Foto: Volkswagen AG, Pressefoto

IW-Forscher geben niedrigem Yuan und Subventionen die Schuld

Köln, 24. Februar 2026. Die deutschen Auto-Exporte nach China sind im Jahr 2025 um ein Drittel eingebrochen. „Auch andere Schlüsselindustrien verlieren deutlich an Boden“, warnt das „Institut der deutschen Wirtschaft“ (IW) Köln.

„Ergebnis massiver Wettbewerbsverzerrungen“

„Die starken Exportrückgänge bei gleichzeitig steigenden Importen sind kein normaler Konjunktureffekt, sondern auch das Ergebnis massiver Wettbewerbsverzerrungen“, meint IW-Handelsexperte Jürgen Matthes. Schuld seien staatliche Subventionen und eine unterbewertete Währung. Hier gelte es, Druck zu machen: „China ist wegen seiner schwächelnden Wirtschaft auf den europäischen Markt angewiesen und erzielt hier hohe Gewinne. Das ist ein Hebel – auch bei den Verhandlungen über eine verlässliche Versorgung mit kritischen Rohstoffen und seltenen Erden“.

Die andere Seite der Medaille: Deutsche hinken in vielen Punkten inzwischen hinterher

Der niedrige Yuan ist indes nicht allein schuld, dass VW und andere deutsche Autokonzerne den einst für sie so lukrativen chinesischen Markt peu à peu verlieren: Ihre chinesischen Konkurrenten sind besser geworden, erneuern ihre Produktpalette schneller, hören auf die Wünsche der Kunden. Dagegen gelten die deutschen Autos als vergleichsweise teuer, bieten viele Funktionen kaum oder gar nicht, die für chinesische Autofahrer heute selbstverständlich sind, insbesondere auch bei der Verschmelzung von Smartphone und Auto. Ganz generell haben die Deutschen an Wettbewerbsfähigkeit verloren.

Auch Maschinenexporte schrumpfen

Und dies gilt längst nicht mehr nur für die Autoindustrie. Auch in anderen Branchen verlieren deutsche Hersteller in China an Boden: Seit dem Rekordjahr 2018, in dem der deutsche Exportüberschuss bei Maschinenbau-Produkten gen China noch bei 10,5 Milliarden Euro lag, ist er inzwischen auf rund 2,8 Milliarden Euro gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr schrumpften die Maschinenbau-Exporte von Deutschland nach China im Jahr 2025 um fast ein Zehntel. Ähnliches gilt für die metallverarbeitende Industrie: Deren China-Exporte sanken sogar um fast 13 Prozent.

Mittelständler hoffen auf Merz-Visite in China

Anlässlich der China-Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) fordert auch der Deutsche Mittelstands-Bund (DMB) spürbare Verbesserungen für den deutschen Mittelstand im Reich der Mitte: „Gerade bei Marktzugangsfragen, Lizenzverfahren, Rohstoffexporten und wettbewerbsverzerrenden Subventionen kann politische Flankierung auf höchster Ebene Fortschritte ermöglichen“, betont DMB-Interessenvertreter Matthias Bianchi. In einer aktuellen Mitgliederbefragung nannten laut DMB zahlreiche Mittelständler „den starken Wettbewerbsdruck durch staatlich subventionierte Anbieter und Dumpingpreise“ als die größten Herausforderungen in China. „Diese Probleme muss Merz mit Nachdruck benennen und dabei einen klaren Fokus auf die Umsetzbarkeit von Lösungen legen“, fordert der Verband.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IW, Oiger-Archiv, DMB

Wissenschaftliche Publikation:

„Deutscher Warenhandel mit China im Jahr 2025. China-Schock trifft vor allem die Autoindustrie“ von Jürgen Matthes, IW-Kurzbericht, Nr. 13, 2026, Köln

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger