Gewerkschaft gegen Kretschmer-Vorstoß für flexiblere Arbeitszeiten

IG Metall warnt vor mehr Arbeitsunfällen und Krankmeldungen
Dresden/Berlin, 19. Januar 2026. Gegen flexiblere Tagesarbeitszeiten, wie sie der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gefordert hatte, hat sich „die IG Metall Berlin‑Brandenburg‑Sachsen ausgesprochen“.
„Wer den Acht‑Stunden‑Tag schleifen will, ignoriert die Lage in den Betrieben in Sachsen“,
Bezirksleiter Jan Otto, IG Metall Berlin‑Brandenburg‑Sachsen
„Die Behauptung, längere tägliche Arbeitszeiten würden Beschäftigten mehr Selbstbestimmung bringen und der Wettbewerbsfähigkeit dienen, ist nachweislich falsch“, argumentiert Bezirksleiter Jan Otto. „Bereits heute sind Ausnahmen von bis zu zehn Stunden möglich, wenn im Ausgleich der Acht‑Stunden‑Schnitt eingehalten wird. Sogar Zwölf‑Stunden‑Tage sind unter Wahrung der Mitbestimmung für bestimmte Branchen und Tätigkeiten möglich.“
Sächsischer Ministerpräsident: Arbeitszeitgesetz stammt aus einer anderen Zeit
Kretschmer hatte zuvor dafür plädiert, das deutsche Arbeitszeit-Recht flexibler zu gestalten, um die schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln. „Deutschland braucht mehr Flexibilität in der Arbeitswelt, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Bedürfnissen von Beschäftigten wie Unternehmen gerecht zu werden“, ist der sächsische Ministerpräsident überzeugt. „Das Arbeitszeitgesetz stammt in weiten Teilen aus einer anderen Zeit. Es passt nicht mehr zu einer modernen Arbeitswelt, in der mobiles Arbeiten, Schichtmodelle, Pflege von Angehörigen und internationale Projektarbeit längst Alltag sind.“
Debatte um Wochen- statt Tagesarbeitszeit
Konkret sprach sich Kretschmer für einen Wechsel von einer täglichen Höchstarbeitszeit hin zu einer flexibleren Wochenarbeitszeit aus. Damit könnten Betriebe besser auf Auftragsspitzen reagieren und Beschäftigte ihre Arbeitszeit stärker an persönliche Lebenssituationen anpassen. Ähnlich hatte sich zuvor Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geäußert, der das Arbeitszeitgesetz am liebsten ganz abschaffen würde.
Dagegen warnt die IG Metall vor wachsenden Unfall‑ und Gesundheitsrisiken sowie Krankenständen bei längeren Arbeitszeiten. Zudem schwächele die Wirtschaft nicht wegen „zu wenig Arbeit“: Das Arbeitsvolumen in Deutschland liege bereits auf Rekordniveau.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: IG Metall, SSK, Welt

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