NewsUmweltschutz und ÖkologiezAufi

Häcksel-Schaum-Magnet-Maschine aus Sachsen saugt Gold und Seltene Erden aus Elektronikschrott

Das Freiberger Konzept sieht einen dreistufigen Recyclingprozess für Elektronikschrott vor. Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt
Das Freiberger Konzept sieht einen dreistufigen Recyclingprozess für Elektronikschrott vor. Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt

Millionenzuschuss von Sprungagentur für Helmholtz Freiberg

Freiberg/Leipzig, 7. Januar 2026. Ein internationales Helmholtz-Forscherkollektiv aus Freiberg hat ein neues, dreistufiges Verfahren entwickelt, um aus Elektroschrott Gold, Kupfer, Seltene Erden und andere wieder verwertbare Industrie-Metalle zu gewinnen – ohne giftige Chemikalien und vergleichsweise effizient. Die Bundes-Sprungagentur hält diese Technologie für so vielversprechend, dass es den Forschern in Sachsen zunächst über eine Million Euro zuschießt. Erfüllen sich die Erwartungen, winken weitere Fördermillionen. Das hat das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf mitgeteilt, zu dem das „Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie“ (HIF) gehört.

Das SPRIND-Team WEEEefficient: Emma Pustlauk, Alli Hassen (oben), Himanshu Kachroo (unten), Lakshmi Kanth Viswamsetty, Zahra Nourizenouz und Dominic Illing (v.l.n.r.) Bild: SPRIND/HDZR (Fotomontage KI-generiert)
Das SPRIND-Team WEEEefficient: Emma Pustlauk, Alli Hassen (oben), Himanshu Kachroo (unten), Lakshmi Kanth Viswamsetty, Zahra Nourizenouz und Dominic Illing (v.l.n.r.) Bild: SPRIND/HDZR (Fotomontage KI-generiert)

Mehrstufiges Konzept: Zerkleinern, flotieren und magnetisch trennen

Für das Projekt haben sich Ali Hassan aus Pakistan, Zahra Nourizenouz aus dem Iran, Himanshu Kachroo sowie Lakshmi Kanth Viswamsetty aus Indien und Emma Pustlauk sowie Dominic Illing aus Deutschland im HIF zur Gruppe „Waste Electrical and Electronic Equipment“ (WEEEefficient) zusammengetan. Um alte Handys, Autoradios und anderen Elektronikschrott aufzubereiten, setzen sie auf drei Stufen: „Der Elektroschrott wird zunächst zerkleinert, sodass seine Bestandteile anschließend sortiert werden können. So trennen wir zunächst weitgehend Kunststoffe von Metallen“, erklärt Team-Chef Ali Hassan. Dann folge die „Flotation“: „Bei diesem Prozess führt man einer Flüssigkeit mit fein gemahlenen Partikeln Gasblasen zu, sodass die Blasen an Teilchen mit wasserabstoßender Oberfläche haften. Diese steigen mit den angehängten Luftblasen nach oben und bilden eine Schaumschicht, die abgeschöpft werden kann. Die dabei eingesetzten Reagenzien sind biologisch abbaubar, also umweltfreundlich. Auf diese Weise konzentrieren wir Metalle wie Gold, Kupfer, Zinn oder Palladium effizient auf“, erläutert Ali Hassan, Doktorand am HIF und Kopf des Teams. Der dritte Schritt heißt „Magsel“: Dieses Freiberger Magnetverfahren trennt schließlich noch die Seltenen Erden ab.

HIF-Direktor Prof. Jens Gutzmer. Foto: Detlev Müller, Bergakademie Freiberg
HIF-Direktor Prof. Jens Gutzmer. Foto: Detlev Müller, Bergakademie Freiberg

Direktor: Konzept passt maßgeschneidert

HIF-Direktor Prof. Jens Gutzmer sieht im Ansatz des sechsköpfigen Teams ein überzeugendes Gesamtkonzept. „Ein integriertes Prototypen-System zu entwickeln, das den Metallbestand von mindestens zwei komplexen Elektroschrott-Produkten in funktionale, marktfähige Metallprodukte transformiert, ist eine Herausforderung, die wie maßgeschneidert auf die Forschung des HIF passt“, findet er.

„Radikale Neuausrichtung des Metallrecyclings“

Der Wettbewerb „Tech Metal Transformation Challenge“, in dem die Freiberger nun die erste Stufe geschafft haben, zielt laut der Bundessprungagentur (Sprind) aus Leipzig „auf eine radikale Neuausrichtung der bisherigen Logik des Metallrecyclings: weg von klassischen Primärpfaden wie Hochtemperatur-Schmelzverfahren oder unspezifischen Laugungsprozessen hin zu hochselektiven, zirkulären Verfahren mit minimalem Energie- und Chemikalieneinsatz“. Die Herausforderung soll Technologien hervorbringen, die auch im Hochlohnland Deutschland mit seinen hohen Energiepreisen „bislang als technisch oder wirtschaftlich nicht recycelbar geltende gemischte oder fein verteilte Metalle“ zu vertretbaren Kosten zurückgewinnen.

Freiberger Forscher arbeiten bereits seit längerem an neuen Wegen, um Elektronikschrott, alte Akkus und andere industrienahe Abfallarten aufzubereiten. Dazu gehören neben Häckseln, Flotation und Magnetverfahren auch Technologien, bei denen Hyperspektralsensoren mit Roboterarmen kombiniert werden.

Gerade auch beim Elektronikschrott pressiert die Suche nach Lösungen: Weltweit entstehen jährlich über 62 Millionen Tonnen Elektronikabfälle, darunter zwei Millionen in Deutschland – Tendenz: steigend. Nur etwa ein Viertel davon wird bisher recycelt.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: HIF/HZDR, Sprind, Oiger-Archiv, DLF

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger