Astrophysik & RaumfahrtNewszAufi

HWO-Teleskop soll Frage klären: „Sind wir allein im Universum?“

Tollt unter diesen Wolken E.T. herum? Realistischerweise lautet die Antwort zwar Nein, weil der Exoplanet "GJ 1214b" einfach zu heiß ist. Aber der Nachweis bewölkter Exoplaneten außerhalb unseres Sonnensystems ist ein wichtiger Schritt auf der Suche nach einer "zweiten Erde". Visulaisierung: G. Bacon, NASA, ESA
Beispielhafte Visualisierung des Exoplaneten „GJ 1214b“. Abb.: G. Bacon, NASA, ESA

Nasa will mit neuartigem Raumteleskop nach Aliens und zweiter Erde suchen

Washington, 6. Januar 2026. Um die Suche nach Außerirdischen und einer zweiten Erde im All zu forcieren, will die „Nasa“ ein neues Weltraumteleskop bauen. Das „Habitable Worlds Observatory“ (HWO) soll als erstes Raumteleskop überhaupt Exoplaneten in fernen Sonnensystemen „direkt abbilden und die chemische Zusammensetzung ihrer Atmosphären auf Anzeichen von Leben untersuchen“, kündigt die US-Raumfahrtbehörde an.

Weltraum-Koronograf soll direkte Beobachtungen von Exo-Planeten ermöglichen

Die Nasa hat dafür nun eine Reihe von Industriepartnern ausgewählt, die dafür geeignete Technologien entwickeln sollen. Dazu gehören beispielsweise ein stabiles optisches System, dessen Bewegungen während der Beobachtungen maximal die Breite eines Atoms betragen sowie ein besonders leistungsstarker Koronograf: ein Instrument, das das Licht eines Sterns ausblendet, um die ihn umkreisenden Planeten besser zu beobachten. Dieses Instrument soll tausendfach leistungsfähiger sein als alle bisher gebauten Weltraum-Koronografen, erklärt die Nasa.

„Menschheit wartet gespannt auf bahnbrechende Erkenntnisse“

„Die Menschheit wartet gespannt auf die bahnbrechenden Erkenntnisse, die diese Mission liefern kann, und auf die Fragen, die sie uns über das Leben im Universum beantworten könnte“, betont Nasa-Administrator Jared Isaacman. „Sind wir allein im Universum?“, formuliert Astrophysik-Direktor Shawn Domagal-Goldman die dahinter stehende Frage. „Mit dem Observatorium für bewohnbare Welten wird die Nasa neue Wege für die Erforschung des Kosmos durch die Menschheit beschreiten.“

Die Visualisierung zeigt, wie Kepler 22b möglicherweise aussieht. Abb.: NASA
Mögliche Visualisierung von Kepler 22b. Abb.: NASA

Tausende Exoplaneten bereits gefunden – aber nur indirekt

Bisher haben Teleskope auf der Erde und im Weltraum über 5000 Exoplaneten in fernen Sternensystemen entdeckt – vor allem durch indirekte Beobachtungsmethoden. Denn diese Planeten außerhalb unseres Sonnensystems verfinstern beispielsweise das Licht ihres Zentralgestirns, das die Erde erreicht, geringfügig. Auch machen sie sich durch kleine Gravitations-Anomalien bemerkbar. Dadurch lassen sich inzwischen auch die Abstände dieser Planeten zu ihrem jeweiligen Stern schätzen. Damit lässt sich auch die Chance kalkulieren, ob sie nahe genug und nicht zu weit weg von ihrer Sonne sind, dass dort Leben ähnlich wie auf der Erde gedeihen könnte. Ob sich dort aber tatsächlich kohlenstoffbasiertes Leben – und sei es nur als Kleinstlebewesen – gebildet hat, lässt sich bisher auf diesem Weg nicht beantworten.

Das sind die bisher besten Aufnahmen, die der Menschheit durch das Hubble-Teleskop von unserem Nachbar-Sonnensystem vorliegen, das aus drei Sternen besteht: dem hier nicht sichtbaren roten Zwerg Proxima Centauri sowie dem Doppelgestirn Alpha Centauri A (links) und B (rechts). Abb.: ESA/NASA
Das sind die bisher besten Aufnahmen, die der Menschheit durch das Hubble-Teleskop von unserem Nachbar-Sonnensystem vorliegen, das aus drei Sternen besteht: dem hier nicht sichtbaren roten Zwerg Proxima Centauri sowie dem Doppelgestirn Alpha Centauri A (links) und B (rechts). Einzelne Planeten vermochte Hubble nicht abzubilden. Abb.: ESA/NASA

HWO soll Exoplaneten nach Spuren von Methan und Sauerstoff durchsuchen

Ein Teleskop, das solche Exoplaneten direkt beobachten kann, würde insofern ganz neue Möglichkeiten für die Suche nicht nur nach bewohnbaren, sondern auch nach tatsächlich bewohnten Welten eröffnen. Konkret soll das HWO unter anderem nach Signaturen von Sauerstoff und von Methan suchen. Nach Meinung der Google-KI „Gemini“ sollte das neue Teleskop zuallererst Proxima Centauri b, TRAPPIST-1e, Kepler-442b, Teegardens Stern b und Tau Ceti e untersuchen: Diese Exoplaneten befinden sich entweder relativ nahe an unserem Sonnensysteme, gelten als Gesteinsplaneten wie die Erde oder als möglicherweise sogar lebensfreundlicher als die Erde („super-habitable“). Ein Startdatum für die neue „Flaggschiff-Mission“ der Nasa steht aber noch nicht fest.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Nasa, Uni Jena, DLR, KI Gemini

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger