Das Extremhochwasser im Juli 2021 verursachte katastrophale Schäden im Ahrtal. Foto: Arbeitsgruppe Physische Geographie/Universität Leipzig
Leipziger Studie identifiziert mindestens vier Extrem-Hochwasser seit der dunklen Zeit
Ahrtal/Leipzig, 5. Januar 2026. Das verheerende Sommerhochwasser von 2021 im Ahrtal war keine einzigartige oder noch nie dagewesene Naturkatastrophe an dieser Stelle, sondern ein Wiederholungsfall. Darauf haben Leipziger Forscher hingewiesen, die vergangene Hochwasser im Ahrtal über einen längeren Zeitraum bis in die dunkle Zeit hinein untersucht hatten.
Starke Fluten im 5. Jahrhundert sowie in den Jahren 1804, 1910 und 2021
Demnach gab es in den vergangenen 1500 Jahren mindestens vier starke Fluten im Ahrtal: 2021, 1804 und 1910 sowie ein weiteres, nicht genau datierbares Hochwasser im 5. Jahrhundert. „Unsere Untersuchung zeigt, dass hochenergetische Hochwasserereignisse im Bereich von Jahrhunderten bis Jahrtausenden im Ahrtal nicht die Ausnahme, sondern die Regel darstellen“, betont Prof. Christoph Zielhofer von der federführenden Uni Leipzig.
Sedimente mit historischen Aufzeichnungen verglichen
Für ihre Studie hatten Forscher der Uni Leipzig und vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) die Ahr-Aue mit Blick auf Ablagerungen durch besonders starke Hochwasser analysiert. Diese Sediment-Befunde hat der Umwelthistoriker Dr. Martin Bauch vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) mit historischen Aufzeichnungen über das Ahrtal verglichen, die bis ins Mittelalter zurückreichen. „Das Auftreten der Extremhochwasser im Ahrtal zeigt keinen eindeutigen Zusammenhang mit der hydroklimatischen Geschichte Mitteleuropas“, betont Bauch. Allerdings falle auf, dass sich starke Ahr-Hochwasser vor allem im Sommer ereignen.
Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Christoph Zielhofer untersucht die gezogenen Bohrkerne aus der Aue der Ahr bei Mayschoß nach der Flutkatastrophe im Juli 2021.Foto: Arbeitsgruppe Physische Geographie/Universität Leipzig
„Daten deuten auf ein wiederkehrendes Auftreten von Hochwasserereignissen alle hundert bis mehrere hundert Jahre“ aus der Studie: Fluvial deposits of the Ahr river…
„Die Daten deuten auf ein wiederkehrendes Auftreten von Hochwasserereignissen alle hundert bis mehrere hundert Jahre hin und liefern wertvolle Informationen zur Verbesserung des Hochwasserrisikomanagements im Ahrtal“, sind die Forscher überzeugt. Flutschutz dürfe sich insofern nicht allein an Flussmessungen der letzten Jahrzehnte orientieren. Zudem glauben sie: „Der gegenwärtige Klimawandel wird das Risiko extremer Hochwasserereignisse in Mitteleuropa weiter erhöhen.“
Sachsen baute ab 2002 neue Warnnetze auf – und restaurierte Sirenen
Zur Erinnerung: Die große Flut im Ahrtal im Jahr 2021 hatte binnen Stunden über 180 Menschenleben gefordert und Milliardenschäden angerichtet. Als Konsequenz aus diesem Hochwasser, aber auch aus den verheerenden Fluten in den Jahren 2002 und 2013 in Sachsen haben Bund und mehrere Bundesländer seither in den Flutschutz investiert und neue, handybasierte Warnsysteme für die Bevölkerung installiert beziehungsweise alte Systeme wie die Sirenen wiederhergestellt.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Uni Leipzig, „Earth Surface Processes and Landforms“, Bundespresseamt, Landeshochwasserzentrum Sachsen
Wissenschaftliche Publikation
„Fluvial deposits of the Ahr river (western Germany) reveal recurring high-magnitude flood events over the last 1,500 years“ von Christoph Zielhofer, Johannes Rabiger-Völlmer, Henriette Westermann, Markus Lothar Fischer, Birgit Schneider, Susanne Lindauer, Azra Khosravichenar, Martin Bauch, Marco Pohle und Ulrike Werban, in: „Earth Surface Processes and Landforms“, Januar 2026, Fundstelle im Netz: https://doi.org/10.1002/esp.70219
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[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"] Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption]
Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger".
Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher
• Geboren 1970
• 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin
• 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten)
• 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten
• 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung)
• seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger