Studie: Chinas Exportkontrolle „Seltener Erden“ hat EU‑Hersteller gestärkt

Hiesige Unternehmen haben Alternativen entwickelt – und wurden exportstärker
Bonn/Mannheim, 17. Dezember 2025. Die chinesischen Exportkontrollen, die zunehmende Verknappung und Teuerung „Seltener Erden“ hat die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen, die auf diese Schlüsselmaterialien angewiesen sind, eher gestärkt als geschwächt. Zu diesem Fazit kommt eine Studie des „Epos Economic Research Centers“ aus Bonn und Mannheim.
„Innovationen halfen dabei, die Nachteile durch gestiegene Rohstoffpreise auszugleichen“
Epos-Forscher Jan Schymik

Denn die Hersteller in der EU haben als Antwort darauf Produkte und Technologien entwickelt, die weniger oder keine Seltenen Erden benötigen. „Die Autobauer reduzierten beispielsweise den Anteil Seltener Erden in Permanentmagneten oder Katalysatoren“, erklärt Epos-Forscher Jan Schymik. „Diese Innovationen halfen dabei, die Nachteile durch gestiegene Rohstoffpreise auszugleichen und teilweise sogar das Branchenwachstum anzukurbeln.“ Durch solche technologischen Innovationen verbesserten die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit, was sich in steigenden Exportzahlen niederschlug.
China reagiert auf Kampfansagen des Westens vermehrt mit Exportkontrollen
Hintergrund: Als Antwort auf den zunehmend protektionistischen und chinafeindlichen Kurs von USA und EU, vor allem aber auf Donald Trumps Wirtschaftskriege gegen China, die er schon in seiner ersten Amtszeit angezettelt hatte, reagierten die Chinesen mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen: Weil Trump beispielsweise aufstrebende nationale Champions wie „Huawei“ niederringen und vom Chipnachschub abschneiden wollte, reagierte Huawei mit eigenen Chipentwicklungen. Als die US-Administration die Chinesen die Lieferung neuere Chipfabrik-Ausrüstungen durch die Niederlande und Japan verbot, entwickelte das Reich der Mitte eigene Ausrüstungen. Und nachdem Trump seine Zollpolitik zu Wirtschaftskriegen gegen den Rest der Welt eskalierte, drehten die Chinesen unter anderem den Hahn für Seltene Erden für USA und teils auch für die EU weitgehend zu – wohlwissend, dass diese Materialien für viele Technologiegüter von Elektromotoren über Smartphones, Supraleit-Magneten bis hin zu Windrädern gebraucht werden.
Seltene Erden verteuerten sich zeitweise um das 45-fache
Untersucht haben die Epos-Ökonomen allerdings in erster Linie frühere „Seltene Erden“-Bezugskrisen, konkret für den Zeitraum 2010 bis 2015. „In unserem Untersuchungszeitraum beschränkte China die Ausfuhr von Seltenen Erden, die für viele Hightech-Produkte wichtig sind“, erinnert Jan Schymik. „Die Preise für diese chemischen Elemente stiegen darauf in der Spitze um das 45-fache – von dieser Kostenexplosion waren die EU-Hersteller zunächst unmittelbar betroffen.“
Innovationen wiegen schwerer als Zugriff auf Schlüsselmaterialien
Dies habe aber einen Innovationsschub bei den früheren Abnehmern in der EU ausgelöst. In der Folge wuchsen ihre Exporte jährlich um 0,3 Prozentpunkte stärker als bei Produzenten, die keine Lieferengpässe hatten. „Dagegen konnten chinesische Hersteller, die uneingeschränkt Zugang behielten, ihre Exporte nicht im selben Maße steigern“, betonen die Forscher.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Epos, Wikipedia, Oiger-Archiv, BDI
Wissenschaftliche Publikation:
„Trade and Industrial Policy in Supply Chains: Directed Technological Change in Rare Earths“ von Laura Alfaro, Harald Fadinger, Jan Schymik und Gede Virananda, in: Diskussionspapiere des SFB Transregio 224 EpoS, 12/2025, Fundstelle im Netz hier

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