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Ifo korrigiert Wachstums-Prognose für 2026 auf 0,8 % herunter

Ein blauer ID3, umzingelt von E-Golfs - ab 2021 produziert die VW-Manufaktur Dresden nur noch diese Elektroautos neuen Typs. Foto: Oliver Killig für Volkswagen
Die Autoindustrie-Krise gilt als symptomatisch für die deutsche Wirtschaft: Einstige Riesen wanken, verlieren den China-Markt, verlieren an Wettbewerbsfähigkeit, auch wegen hoher Kosten, die nicht mehr durch Wachstum gedeckt werden. Hier eine Aufnahme aus besseren Zeiten: 2021 stellte die VW-Manufaktur Dresden auf ID-Elektroautos um – jetzt beerdigt Volkswagen die Autoproduktion am Standort. Foto: Oliver Killig für Volkswagen

Bürokratie, Überregulierung, Innovationsschwäche und hohe Energiepreise lähmen die Wirtschaft

München/Köln/Halle, 11. Dezember 2025. Die deutsche Wirtschaft schwächelt weiter vor sich hin und daher haben die Ifo-Ökonomenwenig überraschend – ihre Konjunkturprognose wieder einmal nach unten korrigiert. Demnach schließt Deutschland das Jahr 2025 mit einem Mikrowachstum von 0,1 Prozent ab – bisher war das Ifo von 0,2 Prozent ausgegangen. Für 2026 und 2027 gehen die Wissenschaftler noch deutlicher herunter, nämlich um einen halben Prozentpunkt. Sie prophezeien nun für 2026 einen Zuwachs um 0,8 Prozent. 2027 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dann um 1,1 Prozent wachsen. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ist da noch optimistischer und geht von 0,2 Prozent für 2025 und jeweils einem Prozent für 2026 und 2027 aus.

„Ohne strukturelle Reformen droht eine weitere Erosion des Wirtschaftsstandorts.“
Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser

„Die deutsche Wirtschaft passt sich dem Strukturwandel durch Innovationen und neue Geschäftsmodelle nur langsam und kostspielig an“, erklärt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser die Korrekturen. „Zusätzlich werden Unternehmen und Neugründungen im Besonderen durch bürokratische Hürden und eine veraltete Infrastruktur behindert.“ Auch Trumps Wirtschaftskriege beuteln den einstigen Exportweltmeister Deutschland. „Die Unsicherheit durch die Zölle bleibt hoch, auch wenn die akuten Konflikte zwischen den USA und der EU entschärft wurden“, schätzt Wollmershäuser ein. Während die Weltwirtschaft in den Jahren 2025 bis 2027 moderat um durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr wachse, profitiere die deutsche Industrie nicht davon und verliere weiter an Wettbewerbsfähigkeit.

Klingbeil-Merz-Regierung bleibt deutlich unter den Erwartungen

Auch die neuen Billionenschulden der Merz-Regierung führen nicht zu den versprochenen Konjunkturimpulsen: Einerseits kommen die Beschaffungen des Bundes nur sehr langsam in der Wirtschaft an, anderseits missbraucht die rot-schwarze Koalition nach Meinung vieler Experten die de facto ausgehebelte Schuldenbremse, um konsumptive Löcher im laufenden Haushalt zu stopfen und Wählergeschenke zu verteilen. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln beispielsweise geht davon aus, dass die Groko jeden zweiten Euro aus den euphemistisch sogenannten „Sondervermögen“ zweckentfremdet.

Die Unternehmer selbst sind nach einer Anfangseuphorie nach dem Ende der Bundesampel inzwischen zunehmend skeptisch, dass in naher Zukunft echte Aufschwungimpulse von der rot-schwarzen Regierung kommen – das zeichnet sich in den regelmäßig abgefragten Konjunktur-Barometern recht deutlich ab. Dieser wachsende Pessimismus wiederum bremst Investitionen und aufwendige Innovationsprojekte, begünstigt dafür Verlagerungspläne gen Ausland.

Chinesen ziehen auch technologisch in immer mehr Sektoren an Deutschland vorbei

Hinzu kommen die langfristigen Probleme in Deutschland: Die Energiepreise bleiben immer noch im internationalen Vergleich zu hoch, auch die Lohnkosten und Abgaben werden längst nicht mehr durch Produktivitätsfortschritte gedeckt. Der Fachkräftemangel gilt ebenfalls als Bremse, bei der Digitalisierung hinkt Deutschland ohnehin hinterher, dafür wuchern Bürokratie und Regulierung. Derweil ist China nicht nur quantitativ am einstigen Exportweltmeister vorbeigezogen, übernimmt in immer mehr Technologiebereichen auch die Innovationsführerschaft – etwa im Elektroautobau, bei der Fabrikautomatisierung, in der Akku-Produktion, Netzwerktechnik, Energietechnik und dergleichen mehr. Große Teilen der deutschen Gesellschaft denken aber immer noch, dass Deutschland das aussitzen könne, und glauben noch an alte Deutungsmuster, die im chinesischen Erfolg lediglich Plagiate und Lohndumping sehen. Derweil verwurzelt sich Fortschrittsfeindlichkeit immer weiter durch die deutsche Gesellschaft – zumindest in der alten Bundesrepublik.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Ifo, IW, IWH, Deutsche Bank, Oiger-Archiv

 

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger