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Bafög, Tickets, Ausweise: Dresdner füllen digitale Eudi-Brieftasche

Mit der neuen digitalen Ausweis-Brieftasche "Eudi Wallet" der EU sollen sich Unionsbürger künftig überall per Smartphone ausweisen können. Dresden wird zur Pilotkommune in Deutschland. Foto: Heiko Weckbrodt
Mit der neuen digitalen Ausweis-Brieftasche „Eudi Wallet“ der EU sollen sich Unionsbürger künftig überall per Smartphone ausweisen können. Dresden wird zur Pilotkommune in Deutschland. Foto: Heiko Weckbrodt

2026 startet deutsches Pilotprojekt – HTW schleust bald auch Behördenbescheide auf Studenten-Smartphones

Dresden, 14. November 2025. Damit die neue digitale Europa-Brieftasche keine Insellösung bleibt, sondern sich breit durchsetzt, will die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Dresden im Zuge eines deutschlandweit einzigartigen Pilotprojektes weitere Funktionen in die „Eudi-Wallet“ einfügen. Das hat Informatik-Professor Jürgen Anke von der HTW angekündigt. Während die städtischen Informationstechnologen dafür sorgen, dass der Armenausweis „Dresden-Pass“ und die sächsische Ehrenamtskarte in das virtuelle Portemonnaie passen, will das Anke-Team einen digitalen Bafög-Antrag, den Studentenausweis und weitere praxistaugliche Anwendungsfälle hinzufügen.

„Mit Saxtrust unterstützen wir den Aufbau eines Eudi-Wallet-Ökosystems.“
Prof. Jürgen Anke, HTW Dresden

„Wir wollen erreichen, dass der Bafög-Antrag mit allen erforderlichen Nachweisen künftig in digitaler Form ans Bafög-Amt übermittelt und nach einer automatisierten Auswertung der Bescheid in kürzester Zeit erteilt wird“, betont Jürgen Anke. Die behördliche Zuschusszusage könne dann abgerufen und in der Brieftasche (Wallet) gespeichert werden.

EU fordert Start für digitale Brieftaschen bis Ende 2026

Die Vorgeschichte: Die EU fordert von ihren Mitgliedsländern, bis Ende 2026 überall eine digitale Brieftasche anzubieten und nutzbar zu machen, die dem Europa-Standard einer „European Digital Identity Wallet“ entspricht. Dieses Eudi-Portemonnaie kann man sich als Smartphone-App vorstellen. Ähnliche Programme bieten zwar kommerzielle Dienstleister wie Google und Apple schon länger an: Mit diesen privaten Wallets kann der Nutzer bargeldlos am vielen Kassen bezahlen. Zudem lassen sich darin beispielsweise Fahrkarten, Flug-Tickets oder Konzert-Eintrittskarten abspeichern, damit man sie dann am Schalter oder an der Kasse vorzeigen kann. Zwar können die Nutzer dort auch Fotokopien von Personalausweis und ähnlichen offiziellen Dokumenten prinzipiell einspeichern – doch rechtlich bindend sind diese Kopien an dieser Stelle nicht. Über die Eudi-Wallet hingegen sollen sich auf jeden Fall „Persi“, Führerschein und ähnliche offizielle Dokumente direkt nutzen lassen, um sich auszuweisen. Darüber hinaus sollen die Bürger darüber hinaus auch rechtsgültige Ämter-Bescheide darüber empfangen und andere Behördengänge digital abwickeln können.

Dresden als Pilotstadt für Deutschland ausgesucht

In Deutschland hat das Bundesdigitalministerium die Stadt Dresden als erste Pilotkommune deutschlandweit auserkoren, um diese neuen Funktionen zum Laufen zu Bringen und mit technikaffinen Bürgern in der Praxis zu testen. „Dresden wurde vor allem deshalb ausgewählt, weil wir hier nicht bei null anfangen“, erklärt Prof. Anke. „Wir können insbesondere auf das Schaufensterprojekt ID-Ideal aufbauen, in dem es darum ging, die vielen digitalen Identitäten des modernen Menschen durch eine selbstverwaltete sichere digitale Identität zu ersetzen.“

„Co-Creation-Lab“ und „Saxtrust“-Programm sollen helfen

Die Dresdner Partner aus Stadtverwaltung, Forschungseinrichtungen und Wirtschaft haben nun ein Ko-Kreativ-Labor gegründet und das Projekt „Saxtrust“ aufgelegt, um die Digitalisierung von Verwaltung und Alltag vorzuexerzieren. Mit an Bord sind unter anderem der informationstechnologische Eigenbetrieb der Stadt Dresden, die HTW Dresden, die Dresdner Unternehmen Kaprion Technologies und SQL Projekt sowie weitere Akteure. Zentrales Vorhaben dabei ist wiederum das Dresdner Pilotprojekt, das die Eudi-Wallet eingeführt. Darüber hinaus planen die Partner auch Praxisseminare mit Jugendlichen, die die Wallet ausprobieren, und dergleichen Bürgerbeteiligung mehr. Letztlich ziele „Saxtrust“ darauf, ein komplettes Eudi-Wallet-Ökosystem im Raum Dresden aufzubauen, betont Anke. „Erst wenn viele private und öffentliche Akteure eingebunden sind, ist eine sinnvolle Nutzung von Wallets möglich.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: HTW DD, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger