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Umweltamt streicht Snack-Folien-Abgabe für Weihnachtsstollen

Das Umweltbundesamt sieht die ernsthafte Gefahr, dass Striezelmarkt-Besucher komplette Stollen auf die Faust nehmen und sie wie eine Bockwurst unterwegs essen - und dann natürlich die Folien auf den Boden schmeißen. Die Einstufung des Traditionsgebäcks als Schnellimbiss empört Bäcker und Politiker vor allem in Sachsen und Thüringen. Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt
Das Umweltbundesamt sieht die ernsthafte Gefahr, dass Striezelmarkt-Besucher komplette Stollen auf die Faust nehmen und sie wie eine Bockwurst unterwegs essen – und dann natürlich die Folien auf den Boden schmeißen. Die Einstufung des Traditionsgebäcks als Schnellimbiss empört Bäcker und Politiker vor allem in Sachsen und Thüringen. Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt

Handwerkskammer: Bäcker haben schon jetzt genug Bürokratie

Berlin/Dresden, 6. November 2025. Das Bundesumweltamt hat seine umstrittene Folienabgabe für Weihnachtsstollen nun endgültig gestrichen: „Tüten und Folienverpackungen sowie Lebensmittelbehälter mit einem Inhalt von mehr als 500 Gramm sind künftig von der Abgabe ausgenommen“, berichtet die Handwerkskammer Dresden.

„Die Neuregelung schützt die Stollenbäcker an dieser Stelle vor unnötiger Bürokratie.“
Andreas Brzezinski, Handwerkskammer Dresden

„Das ist eine richtige und wichtige Entscheidung“, begrüßte Kammer-Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski diese Meldung. „Sie hilft den Bäckern und ist praxistauglich. Denn so wird der Stollen, der ohnehin nie ein Imbiss-für-unterwegs-Artikel war, in weiten Teilen von der Regelung ausgenommen. Die Neuregelung schützt die Stollenbäcker an dieser Stelle vor unnötiger Bürokratie, unter der die Handwerker an vielen anderen Stellen ohnehin schon genug leiden.“

Umweltbehörde sah Gefahr, dass Käufer ¾-kg-Stollen auf die Faust nehmen und Verpackung auf die Erde werfen

Ursprünglich wollte die Umweltbehörde eine Verpackungsabgabe und damit verbundene Berichtspflichten für weihnachtliche Stollen mit einem Gewicht bis 750 Gramm einführen. Begründung: Zumindest auf einer theoretischen Ebene könnte man solch einen Stollen beim Bäcker oder auf dem Weihnachtsmarkt kaufen und dann unterwegs wie einen Hamburger verspeisen. Damit sei dies ein Produkt „für den Unterwegsverzehr“, was die Gefahr berge, dass der Käufer die Stollenverpackung auch unterwegs auf die Erde wirft und damit die Umwelt verdreckt – somit sei der Stollen verpackungsabgabenpflichtig.

Starker öffentlicher Protest

Dagegen protestierten vor allem Stollenbäcker, aber auch Kammern und Wirtschaftspolitiker in Mitteldeutschland heftig: Sie kritisierten die Einstufung von Stollen als Unterwegs-Snack als absurd, fürchteten, dass die Abgabe den Stollen verteuert und vor allem durch die zusätzlichen Berichtspflichten die Bürokratie in den Backstuben weiter wächst. Angesichts des öffentlichen Drucks setzte das Bundesumweltamt die Abgabenpflicht zunächst aus – und hat sie nun für diese Produktgruppe ganz gestrichen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: HWK DD, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger