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Sachsen freuen sich: Umstrittene Stollen-Abgabe gestoppt

Das Umweltbundesamt sieht die ernsthafte Gefahr, dass Striezelmarkt-Besucher komplette Stollen auf die Faust nehmen und sie wie eine Bockwurst unterwegs essen - und dann natürlich die Folien auf den Boden schmeißen. Die Einstufung des Traditionsgebäcks als Schnellimbiss empört Bäcker und Politiker vor allem in Sachsen und Thüringen. Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt
Das Umweltbundesamt sieht die ernsthafte Gefahr, dass Striezelmarkt-Besucher komplette Stollen auf die Faust nehmen und sie wie eine Bockwurst unterwegs essen – und dann natürlich die Folien auf den Boden schmeißen. Die Einstufung des Traditionsgebäcks als Schnellimbiss empört Bäcker und Politiker vor allem in Sachsen und Thüringen. Visualisierung: KI Gemini, Prompt: Heiko Weckbrodt

Bundesminister pfeift sein Umweltamt nach Bürokratieposse zurück

Dresden/Berlin, 17. September 2025. Nach wütenden Protesten der Bäcker vor allem in Sachsen und Thüringen hat Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sein Bundesumweltministerium zurückgepfiffen: Die umstrittene Abgabe und Einstufung von Weihnachtsstollen als Imbiss „auf die Faust“ – der damit plastefolien-abgabepflichtig wäre – ist vorerst ausgesetzt. Das haben der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) und die Handwerkskammer Dresden mitgeteilt.

Dirk Panter. Foto: Jürgen Lösel für das SMWA
Dirk Panter. Foto: Jürgen Lösel für das SMWA

„Einen 750-Gramm-Striezel wie ein To-Go-Produkt einzustufen, ist in meinen Augen absurd.“
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter

„Wir wollen unsere Umwelt schützen, aber mit Regelungen, die realistisch und praktisch umsetzbar sind“, betonte Panter nach einem Gespräch mit seinem Genossen Schneider. „Die Folie um einen traditionellen 750-Gramm-Christstollen als abgabepflichtig entsprechend den Regelungen über Einwegkunststoffprodukte einzustufen, belastet ein herausragendes Handwerk. Einen 750-Gramm-Striezel wie ein To-Go-Produkt einzustufen, ist in meinen Augen absurd.“

Bürokratie-Aufbau statt -Abbau: Behörde verdonnerte Bäcker zu neuen Abgaben und Berichtspflichten

Hintergrund: Mitten in der Debatte um den längst überfälligen Bürokratie-Abbau in Deutschland platzte für die Stollen-Bäcker eine unschöne Nachricht aus Berlin: Die Umweltbürokraten hatten Stollen ab einem Dreiviertelkilo Masse als Schnellimbiss eingestuft, der unterwegs verzehrt wird. Das regte die Handwerker in zweierlei Hinsicht auf: Ihr traditionsreiches Weihnachtsgebäck als „To Go“-Essen wie einen Hamburger einzustufen, empfanden viele Bäcker als absurde und herabwürdigende Vorstellung. Anderseits bedeutet solch eine Umklassifizierung auch eine Abgabe-Pflicht für jede Kunststoff-Folie, die den Stollen frischhalten soll, vor allem aber viele neue Berichtspflichten für Handwerker, die ohnehin schon in bürokratischen Schreibkram durch EU, Bund, Land und Kommune ertrinken, so dass viele längst sagen: Wir kommen kaum noch zum Backen.

„Es reicht allein die objektive Möglichkeit und mithin das Risiko eines Unterwegs-Verzehrs.“
Aus der Verfügung des Bundesumweltamtes

Die Vorstellung der Bundesbürokraten, Bäckerkunden würden komplette Stollen auf die Faust nehmen und sie unterwegs verspeisen, erscheint vielen zwar als absurd. Das verantwortliche Umweltbundesamt erklärte allerdings, es genüge schon „allein die objektive Möglichkeit und mithin das Risiko eines Unterwegsverzehrs“. Immerhin hat sich die Behörde nach der Panter-Intervention in Berlin bereit erklärt, vorerst keine Abgabenbescheide zu verschicken und „die Begründungen der eingelegten Widersprüche intensiv prüfen und dazu auch den Vergleich mit Regelungen in anderen EU-Mitgliedstaaten einbeziehen“, hieß es aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium

Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski von der Handwerkskammer Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski von der Handwerkskammer Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

„Bürokratischer Irrsinn“

Das freut die Handwerker in Sachsen und vor allem in der Striezel-Hochburg Dresden: „Das ist ein positives Signal“, begrüßte Hauptgeschäftsführer Andreas Brzezinski von der Handwerkskammer Dresden die jüngste Entwicklung. Sachsens Bäcker dringen allerdings auf mehr als nur eine „Aussetzung“: „Es kann sich nur um einen Zwischenschritt handeln, denn diese Abgabe ist bürokratischer Irrsinn“, betont Brzezinski. „Es braucht eine praxisnahe langfristige Lösung, die im Interesse der Stollenbäcker ist.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMWA, HWK DD

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger