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Sachsen sucht KI-Vorsprung an Schnittstelle von Chipindustrie und Software

Sprechende und interagierende Roboter-Frau auf der KI-Konferenz „Brains on Silicon“ in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Sprechende und interagierende Roboter-Frau auf der KI-Konferenz „Brains on Silicon“ in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Konferenzpremiere „Brains on Silicon“ in Dresden

Dresden, 22. Oktober 2025. Sachsen muss „noch eine Schippe drauflegen“, wenn es künftig in der Schlüsseltechnologie „Künstliche Intelligenz“ (KI) im größeren Maßstab nicht nur Anwender, sondern auch Gestalter sein will. Das hat der scheidende sächsische Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Kralinski (SPD) während der KI-Konferenz „Brains on Silicon“ in Dresden eingeschätzt.

KI-Highend-Chips à la Nvidia in den USA und TSMC in Taiwan in Sachsen auf absehbare Zeit nicht herstellbar

So hat Sachsen zwar wichtige Schritte hin zu einem prägenden KI-Standort gemacht: Zahlreiche Forschungseinrichtungen und eine Reihe Firmen beschäftigen sich hier mit „Künstlicher Intelligenz“. Es gibt spezialisierte KI-Rechenzentren in Sachsen, eine eigene KI-Strategie des Landes und Fraunhofer-Forschungseinrichtungen, die sich an der Entwicklung quelloffener KI-Sprachmodelle beteiligen. Vor allem aber hat Sachsen eine starke Mikroelektronik-Industrie, die eine Basis auch für KI-Beschleuniger und ähnliche Elektronik sein kann. Doch Hochleistungs-Chips für KI-Schulen, wie sie etwa Nvidia und AMD in den USA oder die Chinesen entwerfen und betreiben, können hiesige Halbleiterfabriken nicht herstellen. Gerade dies aber sollte sich ändern, wenn es nach Kralinski ginge: „Wir wollen doch, dass die KI-Chips der Zukunft in kleinsten Strukturen auch hier gebaut werden“, formulierte er einen Wunsch zum Konferenz-Auftakt im internationalen Kongresszentrum Dresden. Zudem wäre es wichtig, in Sachsen weit mehr Chipdesign-Kapazitäten als bisher aufzubauen.

Globalfoundries empfiehlt aufgebohrte FDX-Technik für neuromorphe KI-Beschleuniger

Ansätze dafür gibt es inzwischen auch durchaus: Zwar ist nicht absehbar, dass in Sachsens Chipfabriken in überschaubarer Zukunft KI-Schaltkreise mit Strukturen unterhalb von sieben Nanometern (Millionstel Millimeter) hergestellt werden, wie sie die führenden Anbieter brauchen: Selbst die gerade entstehende TSMC-Fabrik in Dresden wird dafür nicht geeignet sein – schon allein, weil ihr die überhohen Reinräume fehlen, die für den Betrieb von Extrem-Ultraviolett-Belichter („EUV-Litografie“) gebraucht werden. Das hatte erst kürzlich ESMC-Geschäftsführer Christian Koitzsch noch klargestellt. Dafür hat der Dresdner Globalfoundries-Chef Manfred Horstmann aber eine neue „NextGenFDX“-Technologiegeneration angekündigt, mit der sich in Zukunft besonders leistungsstarke und energiesparende neuromorphe KI-Beschleuniger bauen lassen – auch wenn sie nicht in die Sub-7-Nanometer-Welt vordringen.

Fachkräfte, KI-Schmieden, Geschäftsmodelle – noch eine lange Liste abzuarbeiten

Ohnehin ist der Bau künftiger neuromorpher Prozessoren nur die eine Seite der Medaille: Fast noch wichtiger wird es sein, noch mehr KI-Expertise, noch mehr – auch weibliche – Fachleute, KI-Softwarefirmen, Anwendungsbeispiele und Geschäftsmodelle dafür zu akkumulieren, wenn Sachsen in diesem Sektor deutschland- und europaweit eine Führungsposition auf- und ausbauen will. Da ist Sachsen zwar schon auf einem guten Weg, aber noch weit von den weltweit führenden Standorten entfernt. Eben dies meinte Staatssekretär Kralinski eben auch mit der „Schippe obendrauf“ – wobei er daran wohl kaum noch mitwirken kann, da ihn sein Chef, der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD), gerade vor die Tür setzt.

Die KI-Konferenz "Brains on Silicon 2025" in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Die KI-Konferenz „Brains on Silicon 2025“ in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Neue Konferenz bringt Chipwerker und Software-Gurus zusammen

Echte Stärken erreicht man auch in diesem Sektor vor allem durch Spezialisierung, darin waren sich Branchenvertreter, Forscher und Politiker während der Konferenzpremiere von „Brains on Silicon“ weitgehend einig. Und die kann sich im Falle Sachsen durch die besonders industrienahe Software-Branche, die Verbindung von Chipproduktion und KI-Technologien sowie den Schulterschluss besonders starker Branchen im Freistaat entwickeln. Die Tagung selbst sei ein guter Auftakt dafür, meinte Geschäftsführer Frank Bösenberg von Branchenverband „Silicon Saxony“: „Diese Konferenz bringt die Hardware- und die Software-Community zusammen“, freute er sich. Dies sei ein vielversprechender Ansatz für die ambitionierten KI-Pläne in Sachsen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Konferenz „Brains on Silicon“, ME-Alumni-Treffen „Big 5“, Auskünfte Bösenberg, Kralinski, Oiger-Archiv, Wikipedia, SMWA, Sächsische Digitalagentur

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger