Fraunhofer Dresden will Autos mit Bierabfall betanken

Superfilter sollen Bio-Alkohol aus Brauerei-Resten hochkonzentrieren
Dresden, 6. August 2025. Statt Brauerei-Abfälle wegzuschütten, sollen sie künftig als Bio-Alkohol Autos, Laster und andere Verbrenner antreiben. Dafür will das Dresdner Fraunhofer-Keramikinstitut IKTS gemeinsam mit der bayrischen Firma „BFC Trading“ neuartige Filter- und Aufbereitungsanlagen konstruieren. Dies sollen dann das Abwasser und die Treberreste aus der Bierproduktion so säubern und aufkonzentrieren, bis Ethanol mit Kraftstoffgüte entsteht, also mit Reinheitsgraden über 99,5 Prozent. Das hat das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) Dresden angekündigt.
„Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors“
„Nachhaltig erzeugtes Bioethanol aus Reststoffen kann einen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors leisten“, betonen die Forscher. Denn die Reststoffe fallen in den Brauereien ohnehin an und werden bisher oft entsorgt. Daraus gewonnener Biosprit wäre insofern eine umweltfreundlichere Alternative zu Kraftstoffen, die aus Erdöl oder aus großflächigen Monokulturen erzeugt werden.

Verbundfilter und Keramikfilter konzentrieren den Sprit im Abfallwasser
Brauerei-Abfälle aufzubereiten, ist zwar keine ganz neue Idee, das Konzept scheitert aber oft an Kosten, technologischer Machbarkeit und Reinheitsanforderungen. Diese Herausforderungen wollen die Ingenieure aus Sachsen und Bayern – beides bekanntermaßen bierfreudige Bundesländer – mit neuartigen Filtersystemen knacken. Dafür setzen sie Polymerverbund- sowie Keramikmembranen ein, um selbst in der Produktion von alkoholfreien Biersorten anfallendes Ethanol im Abwasser immer weiter anzureichern. Im ersten Schritt erreichen Verbundmembranen „bereits aus niedrig konzentrierten Gemischen sowie bei Temperaturen von nur 40 °C energetisch effizient und in nur einem Schritt Ethanolkonzentrationen von über 50 Prozent“, erklären die Forscher ihr Konzept. In der zweiten Stufe verdampft die Anlage das Gemisch und wird dann mit Keramikmembran bis auf 99,9 Prozent Reinheitsgrad hochgetrieben.
Enzyme und Hefe machen Ethanol aus der Zellulose im Treber
Aus dem Biertreber wiederum, der zu 80 Prozent aus Wasser und 20 Prozent aus organischer Trockensubstanz besteht, extrahieren die neuen Aufbereitungssysteme unter dem Einsatz von Hitze und Säure die enthaltene Zellulose. Enzyme spalten dieses organische Material dann zunächst in Glukose um, um dann daraus mittels Hefe Bioethanol zu gewinnen.
Diese Technologien wollen IKTS und BFC im Verbundprojekt „Bieranol“ nach und nach zur Einsatzreife führen. Abzuwarten bleibt dann, ob und welche Brauereien, Chemiebetriebe oder Energieunternehmen damit eine Großproduktion von Bier-Sprit aufbauen wollen.
Autor: hw
Quelle: Fraunhofer-IKTS

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