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Ohne große Handy-Hersteller keine Highend-Chipproduktion in Deutschland

„Chipdesign Germany“-Forum 2025 in der Messe Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
„Chipdesign Germany“-Forum 2025 in der Messe Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Chipdesign-Forum in Dresden: In Europa spielt die Musik im Analogen, in Sensorik und Leistungselektronik

Dresden/Magdeburg, 13. Mai 2025. Um die eigenen Schaltkreisdesign-Fähigkeiten zu stärken, sollte Deutschland seine bereits bestehenden Kompetenzen in diesem Sektor ausbauen, statt sich auf überambitionierte Projekte zu stürzen. Das ist eine Quintessenz des heutigen „Chipdesign Germany“-Forums in Dresden. Auf einen ähnlichen Kurs drängen Branchenvertreter auch bereits seit geraumer Zeit mit Blick auf die Förderpolitik für die einheimische Chipproduktion.

Apple vorfinanziert de facto die neuesten TSMC-Fabriken

„Das größte Problem der Mikroelektronik in Europa ist, dass es hier keine Abnehmer für Highend-Chips in der Konsumelektronik gibt“, argumentierte beispielsweise Felix Hinderkircher von der Bundes-Sprungagentur „Spind“ aus Leipzig während des Chipdesign-Forums in der Dresdner Messe. Ganz anders sei dies im symbiotischen Verhältnis von Amerika und Asien: Große Smartphone-Hersteller wie Apple aus den USA finanzieren für Auftragsfertiger wie TSMC in Taiwan de facto mit ihren Aufträgen die jeweils nächste Chipfabrik-Generation in Asien vor. Andernfalls würden sich die exorbitanten Milliarden-Investitionen in immer feinere Halbleiter-Strukturen und die dafür benötigten Produktionsanlagen für TSMC auch gar nicht lohnen.

Sprind-Innovationsexperte Felix Hinderkircher. Foto: Heiko Weckbrodt
Sprind-Innovationsexperte Felix Hinderkircher. Foto: Heiko Weckbrodt

Heimelektronik-Produktion ist längst aus Europa verschwunden

Anders ist die Lage in Europa und konkret auch in Deutschland: Die einstigen Heimelektronik-Riesen hierzulande haben ihre Produktion schon vor Jahrzehnten entweder nach Asien ausgelagert und ganz an Hersteller aus China, Taiwan & Co. verloren. Damit gibt es hier auch kaum Nachfrage für Chips der Strukturgenerationen unterhalb von zehn Nanometern. Zwar gibt es mit der Autoindustrie, dem Maschinenbau und verwandten Branchen große Abnehmer für Mikroelektronik. Die braucht aber eher Chips der Strukturgeneration oberhalb von 20 Nanometern oder Schaltkreise, die analoge und digitale Bauelemente, Sensoren, Aktuatoren und andere Hybridtechnik enthalten.

Innovationsexperte: Intel-Fab Magdeburg scheiterte auch an fehlenden Kunden für 12-nm-Chips

Das Beispiel Magdeburg habe diese Marktbesonderheit sehr deutlich gemacht, betont Hinderkircher: „Dass die Intel-Fabrik dort gescheitert ist, hat viel mit Intel zu tun, aber auch mit Nachfrage“, meint der Innovations-Experte. „Intel hat hier weit und breit keinen einzigen Kunden für die 12-Nanometer-Chips gefunden, die in Magdeburg hergestellt werden sollten. In der europäischen Wirtschaft gibt es einfach keine Nachfrage für diese Leading-Edge-Nodes*“. Es handele sich hier um einen echten „Wachstumsdeckel“ beziehungsweise ein „Henne-Ei-Problem“ für Europas Chipindustrie: Weil es keine Nachfrage für höchstintegrierte Schaltkreise gibt, werden dafür auch kaum Chipfabriken in Europa gebaut. Und weil es die hier nicht gibt, entwickeln sich dafür auch weder Nachfrage noch Chipdesign-Schmieden für solche Highend-Schaltkreise.

Allerdings warnen Manager aus Europas Mikroelektronikindustrie davor, dies nur als Nachteil zu sehen: „Deutschland ist sehr erfolgreich beim Design von Analogelektronik, von Leistungselektronik und Sensorik – da spielt die Musike“, betont beispielsweise Stefan Joeres von Bosch. Diese Stärken zu stärken, sei sinnvoll.

* Leading Edge = neueste, Node = Knoten im Sinne von Chip-Generation

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: „Chipdesign Germany“-Forum 2025, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger