Handwerker-Engpässe und Bürokratielast bremsen Energiewende

Studie der Handwerkskammer Dresden zeigt, woran es hakt bei Solar- und Windkraft, Wärmepumpe und Co.
Dresden, 9. April 2025. Fachkräftemangel im Handwerk sowie hohe Bürokratie- und Abgabenlasten sind wesentliche Gründe, dass die Energiewende auch im Großraum Dresden nur langsam vorankommt und vergleichsweise teuer ausfällt. Das lässt sich aus einer Kurzstudie „Das Handwerk als Schlüsselbranche zur Umsetzung der Energiewende“ sowie Kommentaren von Wirtschaftsvertretern ableiten. Als Hemmnisse gelten zudem die sprunghafte Förderpolitik und Umweltgesetzgebung sowie die hohen Energiepreise. Für die Studie hatte das Leipziger Institut für Energie im Auftrag der Handwerkskammer Dresden 380 Wärmepumpen-Installateure, Solarteure, Geothermie-Brunnenbauer und andere Betriebe in Ostachsen befragt.

Elektriker, Solarteure und Installateure „tragen Transformation in die Fläche“
„Nur mit den Handwerksbetrieben sind die zentralen Ziele im Energie- und Klimaprogramm Sachsen erreichbar“, betont Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) während einer Auswertungsrunde in Dresden. Die Handwerker seien es, die aus der technologischen Theorie auch pragmatische Lösungen machen. Viele Befunde der Studie seien dennoch „in vieler Hinsicht wenig erfreulich“, räumt er ein. Und dies sei umso misslicher, als dem Handwerk die besondere Rolle zukomme, die nachhaltige Transformation der Energieversorgung „in die Fläche zu tragen“, ergänzt Kammerpräsident Jörg Dittrich.

In kleine Betriebe droht ein massiver Personalverlust
Die Studienbefunde sprechen für sich. So rechnet jeder zweite befragte Handwerksbetrieb für die nächsten Jahre mit einem zu geringen Angebot an Fachkräften, die sich mit Solaranlagen, Heizungs- und Gebäudetechnik sowie Dämmung gut auskennen. Vor allem kleine Firmen rechnen damit, demnächst ein Viertel bis die Hälfte der ganzen Belegschaft zu verlieren, weil erfahrene Gesellen und Meister in Rente gehen, aber nicht genug junge Menschen überhaupt Interesse an einer Karriere im Handwerk zeigen. Jedes zweite Unternehmen berichtet von Lieferschwierigkeiten, 40 Prozent über hohe Belastungen durch immer neue Auflagen, Berichtspflichten, überlange Genehmigungsverfahren und schwer verständliche, ausufernde Gesetze.
Starker Widerstand gegen Wind- und Solarparks auf Freiflächen
„Ich soll hier mal erzählen, was uns als Energie-Handwerker so alles behindert“, hebt Elektrotechnikmeister Frank Scholze beim Treffen von Kammerpräsident und Minister an – und rattert los: Anwohner stemmen sich gegen Solaranlagen auf Freiflächen, halten sie teils sogar für umweltschädlich. Wo früher Handschlag, Vertrauen und Unterschrift ausreichten, erfordere heute jede Kleinigkeit eine Dokumentation. „Da wird auch noch das letzte Detail fotografiert und niedergeschrieben“, erzählt Scholze. Hinzu kommen die chaotische Förderpolitik der letzten Jahre, langwierige Einspeise-Erlaubnisverfahren durch die Netzbetreiber und Energieversorger. Zudem sind die Installationskosten für Wärmepumpe, Solaranlage & Co. hierzulande weit höher als etwa in Frankreich oder Großbritannien – bedingt durch hohe Lohnnebenkosten, bürokratische Auflagen, staatlich forcierte Mindestlöhne sowie stark gestiegene Einkaufspreise für Stahl, Alu und Elektrokabel…
Mit niedrigeren Strompreisen würden sich Wärmepumpe und E-Auto auch ohne Subvention verkaufen
Kammer-Präsident Jörg Dittrich verweist außerdem auf die viel zu hohen Energiepreise: „Wenn die niedriger wären, würde sich die Anschaffung von Wärmepumpen und Elektroautos von allein lohnen, ohne staatliche Zuschüsse.“ In der politischen Debatte zirkulieren dafür viele Ideen, die allerdings alle Haken haben: Gegen einen Neustart der Atomkraft gibt es beispielsweise starken prinzipiellen Widerstand aus den alten Bundesländern, außerdem wäre ein Wiederhochfahren der Meiler, nachdem sie einmal stillgelegt sind, recht teuer. Staatliche Langzeit-Subventionen für die Industriestrompreise, wie sie SPD und Grüne wünschen, würden die Staatskassen stark belasten und führen noch weiter weg von der Marktwirtschaft. Alternativ die Netzentgelte zu streichen, ist zwar auch eine populäre Forderung. Doch diese Entgelte steigen eben gerade deshalb, weil der Ausbau von dezentralen Wind- und Solaranlagen hohe Investitionen in die Stromnetze erfordert. Bei einer Streichung der Entgelte müsste also schon wieder der inzwischen chronisch klamme Staat einspringen, um auch diesen Netzausbau mit Steuergeldern zu finanzieren.
Studium ist im Kern gratis – doch der angehende Meister zahl Tausende Euro
Ähnlich widerstreitende gesellschaftliche Interessen berührt der Wunsch der Handwerker, die Tausende Euro teure Meisterausbildung und das kostenlose Hochschul-Studium für alle finanziell gleichzustellen. Doch Geld, um „Meister-Bafög“ und „Meister-Bonus“ aufzukohlen, haben derzeit weder Freistaat noch Bund übrig. Und welchen Sturm echte Studiengebühren an hiesigen Unis erzeugen würden, lässt sich leicht ausmalen.
Der Wunsch, all diese gordischen Knoten zu zerschlagen, einst Handwerker und Politiker – nur die Instrumente dafür sind eben umstritten. So wünscht sich Kammerpräsident Dittrich mehr Lehrlingswohnheime auf dem Lande, während der Wirtschaftsminister von Sparzwängen spricht. Auf jeden Fall angehen wolle die Landesregierung die Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung für Windräder und große Solarparks, sagt Panter. Und dass Studenten und Meister in spe finanziell so unterschiedlich für ihre Ausbildung zur Kasse gebeten werden, sei ungerecht und müsse sich ändern.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: HWK DD, SMWA, Studie „Das Handwerk als Schlüsselbranche zur Umsetzung der Energiewende“, tagesschau.de

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