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Dresdner Software soll Ressourcenhunger von Chipfabriken um zwei Drittel senken

Nur wenige Menschen bekommen sie je zu sehen: Die Subfabs der Chipfabriken versorgen die Produktions-Reinräume mit Strom, Gasen, Reinstwasser und anderen Ressourcen - und entsorgen die Abfälle zum Schluss. Visualisierung: Gemini., Prompt: hw
Nur wenige Menschen bekommen sie je zu sehen: Die Subfabs der Chipfabriken versorgen die Produktions-Reinräume mit Strom, Gasen, Reinstwasser und anderen Ressourcen – und entsorgen die Abfälle zum Schluss. Visualisierung: Gemini., Prompt: hw

Algorismic-Programm vernetzt Reinraum-Maschinen mit den Pumpen, Rohren und Kabeln der „Subfabrik“

Dresden, 25. März 2025. Chipfabriken sind im laufenden Betrieb sehr hungrig nach Energie, Prozessgasen und anderen Materialien. Für die Versorgung mit diesen Ressourcen ist in den meisten Halbleiterwerken eine sogenannte „Subfab“ zuständig – eine Versorgungs-Etage unter den großen Produktions-Reinräumen. In diesen Sub-Fabriken sind oft mehr als 3000 Pumpen, 2000 Abgasanlagen sowie Tausende Kühler, Versorgungs- und Stromleitungen installiert.

Die junge Softwareschmiede „Algorismic“ aus Dresden hat nun ein Steuerprogramm namens „Subfab360 ATC“ entwickelt, das die Maschinen und Anlagen in solchen Subfabs vernetzt und besonders flexibel und ressourcenschonend steuert. Dadurch lassen bis zu zwei Drittel des sonst benötigten Mengen an Wasser, Strom, Chemikalien und Brenngas einsparen, berichtet das Dresdner Innovationszentrum „Smart Systems Hub“, das an dem Projekt gemeinsam mit der Softwarefirma „Devboost“, dem Mikroelektronik-Abgasspezialisten „DAS“ und einem Halbleiterunternehmen beteiligt war.

Hammer: Hervorragendes Beispiel für die Stärke des Silicon-Saxony-Netzwerks

Und gerade diese Zusammenarbeit habe erst zum Ziel geführt, meint Algorismic-Chefin Stefanie Hammer: „Die Kooperation war ein hervorragendes Beispiel für die Stärke des Silicon-Saxony-Netzwerks“, betont sie. Ausgangspunkt sei eine Subfab-Software der „Automatisierung Dresden GmbH“ (ADG) gewesen. Damals war Hammer noch selbst bei der DAS beschäftigt, verfolgte die Entwicklung dieser Software ab 2022 und sah das Potenzial dieses Konzeptes. Die ein Jahr später gegründete Algorismic übernahm das Projekt und entwickelte die Subfab-Software weiter, unterstützt von den „Devboost“-Beratern und vom „Smart Systems Hub“. Hinzu kommt in Dresden der besondere Vorteil, dass sich solche Steuerprogramme auch gleich in großen Chipwerken vor Ort erproben und praxistauglich machen lassen.

Stefanie Hammer. Foto: Algorismic
Stefanie Hammer. Foto: Algorismic

Steuerprogramm kann bis zu 68 Prozent an Gas, Strom und Wasser sparen

„Insgesamt erreichten wir bei unseren Langzeittests Einsparungen von bis zu 68 Prozent bei Brenngas, Strom, Druckluft, Lauge, Kühl- und Frischwasser“, berichtet Hammer. „Dies führte zu einer erheblichen Senkung der Betriebskosten und einer deutlichen Steigerung der Ressourcen- und Energieeffizienz.“ Und weil die Partner dabei auf eine quelloffene Lösung, also eine „Open Source“-Software gesetzt haben, lässt sich das Programm auch in ganz unterschiedlichen Chipfabriken einsetzen. „Mit der Software steuern Halbleiterhersteller basierend auf den Daten von Beschichtungs- und Ätzanlagen ihre Abgasreinigungsanlagen und Pumpen bedarfsgerecht und in Echtzeit“, heißt es aus der Softwareschmiede zum dahinterstehenden Funktionsprinzip.

Blick in die "Subfab" unter dem Reinraum der ehemaligen Plastic-Logic-Fabrik, der nun für das Fraunhofer CNT 2.0 und das Zentrum für neuromorphes Computing umgebaut wird. Foto: Heiko Weckbrodt
Blick in die „Subfab“ unter dem Reinraum der ehemaligen Plastic-Logic-Fabrik, der nun für das Fraunhofer CNT 2.0 und das Zentrum für neuromorphes Computing umgebaut wird. Foto: Heiko Weckbrodt

Algorismic entstand im Jahr 2023 und hat inzwischen 15 Beschäftigte. Das Unternehmen fokussiert sich laut eigenen Angaben auf Lösungen, die Chipfabriken umweltverträglicher machen und ihren Ressourcenbedarf senken. Die neue Software wird laut Unternehmens-Angaben derzeit bei einem Halbleiter-Hersteller schrittweise weltweit eingesetzt. Um welche Mikroelektronik-Firma es sich dabei handelt, teilte Algorismic nicht mit.

Autor: hw

Quellen: Smart Systems Hub, Algorismic, DAS, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger