KI mindert im Erzgebirge den Brötchenresteberg

Bäcker Tobias Nönnig setzt Künstliche Intelligenz für die Backplanung ein – und hat seither weniger Retouren
Ehrenfriedersdorf, 9. März 2025. Künstliche Intelligenz (KI) ist nicht nur in Anwaltskanzleien, Softwareschmieden und Industriebetrieben im Einsatz, sondern unterstützt inzwischen auch Handwerkern. So muss zum Beispiel Bäcker Tobias Nönnig im Erzgebirge nicht mehr so viele Brötchen und Kuchen wegwerfen, weil ihm eine KI bei der Produktions- und Verkaufsprognose hilft: Sein lernfähiges Prognosesystem hilft ihm, Brot- und Kuchen-Retouren aus seinen Filialen zu reduzieren und mit dem vorhandenen Personal alle Aufgaben zu bewältigen.
Traditionell eine Mischung aus Erfahrung, Intuition und Zettelwirtschaft
Hintergrund: Klassischerweise senden die Filial-Mitarbeiterinnen an die Bäckerei am Hauptstandort ihre Bestellzettel mit den Mengen an Eierschecke, Brötchen, Brot & Co. die sie an diesem oder jenem Tag zu verkaufen hoffen. Diese Zettel entstehen oft aus einer Mischung aus Erfahrung und Bauchgefühl. Diese menschliche Expertise wird auch weiter gebraucht – nun aber durch eine unbestechliche KI ergänzt: Die wertet für Nönning frühere Bestellungen aus, gestaffelt nach Wochentagen, analysiert Wetterberichte, berücksichtigt Brückentage und andere Faktoren, die die Kaufbereitschaft der Kundschaft immer wieder beeinflussen. Auf dieser Basis arbeitet die KI dann digitale Produktionsempfehlungen aus.
KI fusioniert Kuchen-Absatzprognose aus Erfahrungswerten, Wetterbericht und Kalender
„Früher saß ich abends am Bestellzettel für die Backstube zwei Stunden“, berichtet Tobias Nönnig. Kaufverhalten sei aber eben schwer planbar. Das endete nicht selten in leeren Regalen vor oder noch vollen nach Ladenschluss – beides ungünstige Szenarien. „Heute berechnet die KI aus Verkaufszahlen, Wetterlage und äußeren Bedingungen super schnell, wieviel Backwaren morgen benötigt werden.“ Und: „Ich bin kein Fan der Automation, aber das begeistert mich sehr.“
Die Rücksenderate von Backwaren, die dann doch keiner kaufen wollte, hat Nönnig mit der KI von zwölf auf 9,5 Prozent gedrückt. Das spart Kosten und Personal, mindert Abfälle, schont zudem durch den Wegfall unnötiger Fahrten die Umwelt. „Wir sind superglücklich mit diesem System“, sagt der Bäcker. Auch eine Bestell-App für die Kunden mache das Tagesgeschäft inzwischen planbarer.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Vortrag Nönnig bei der Tagung „Chancen für Unternehmen durch Künstliche Intelligenz“, Wirtschaftsförderung Erzgebirge (WFE), Oiger-Archiv

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