Grünspechte bringen Jät-Robotern und Paketsortier-Maschinen das „erkennende Sehen“ bei

Dresdner Unternehmen will mit KI-gestützter Computervision nicht nur Geld verdienen, sondern die Wirtschaft auch nachhaltiger machen.
Dresden, 17. Februar 2025. Für Georg Lempe war eine Reise nach Südostasien die Weiche, die sein Leben auf eine neue Bahn gelenkt hat: Wie sehr viele Menschen dort tagtäglich kämpfen müssen, um über die Runden zu kommen und ihre Familien zu ernähren, habe viele Probleme der deutschen Überflussgesellschaft in ein ganz anderes Licht gerückt, erzählt Lempe, der vorher als Techniker, Projektmanager und Softwaremacher gearbeitet hatte. „Das hat eine Sinnkrise bei mir ausgelöst und den Wunsch, etwas Nachhaltiges zu tun.“ Wieder daheim angelangt, gründete der damals knapp 40-Jährige im März 2023 mit „Grünspecht Vision“ in Dresden ein Unternehmen, das sich eben dies auf die Fahnen geschrieben hat: Indem die Sachsen Computern beibringen, ähnlich wie ein Mensch Probleme zu sehen, zu erkennen und auszubügeln, wollen sie für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit in Industrie und Logistik sorgen.
„Fehlsortierungen um den Faktor 10 reduziert“
„Der Name ist Programm“, erklärt Lempe das „Grün“ im Firmennamen. Einer der ersten größeren Aufträge war eine Lösung, die in einem Paketdienst Fehlsortierungen erkennen und vermeiden sollte. Die Grünspechte setzten moderne Sensorik und Künstliche Intelligenz auf das Problem an – mit Erfolg: „Das hat die Fehlsortierungen dort um den Faktor 10 reduziert“, berichtet der Gründer. „Dadurch gibt es weniger Rücksendungen und Transporte, das entlastet die Umwelt.“
Jäten statt chemischer Unkrautvernichter
Seither picken sich die Dresdner bevorzugt Aufträge heraus, die technologisch anspruchsvoll und ökologisch vielversprechend sind. Dazu gehört zum Beispiel eine Qualitätssicherungs-Lösung für Reaktorplatten, die letztlich für die elektrochemische Produktion von Synthese-Treibstoffen gebraucht werden. Oder „Computervision“ – also computer- und sensorgestützte Echtzeit-Bilderkennung – für Agrarroboter, die Unkraut wie ein Mensch jäten, statt es mit Chemie zu Tode zu spritzen.

Picus soll Roboter und Anlagen mit Computervision nachrüsten
Neben diesen Auftrag-Entwicklungen hat „Grünspecht“ inzwischen mit dem „Picus“ auch ein eigenes Gerät entwickelt, das Roboter und andere Maschinen nachträglich zum „erkennenden Sehen“ befähigt. Aus diesem noch jungen Geschäftsfeld erhofft sich Lempe auch in naher Zukunft die stärksten Wachstumsimpulse für sein Unternehmen.

Internationales Team gewachsen
Und das ist binnen zwei Jahren bereits gewachsen: Die internationale Belegschaft umfasst 13 Spezialisten aus Deutschland, Pakistan, Slowenien, Nepal, dem Iran und weiteren Ländern. Letztlich sei leichter gewesen als gedacht, diese ausländischen Experten nach Dresden zu holen – teils über normale Arbeitsvisa, teils über die Sonderreglungen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes. Während andere sächsische Unternehmen da teilweise über monatelange Mühen und schier unendliche Bürokratie berichtet haben, sei es „Grünspecht“ in vielen Fällen gelungen, diese Leute binnen weniger Wochen nach Deutschland zu bringen, erzählt Lempe. „Wichtig ist es allerdings, dass wir in Dresden dafür sorgen, dass sich diese Menschen bei uns wohlfühlen.“ In jedem Fall habe sich die Mühe gelohnt: Das so gewachsene Team sei interdisziplinär und flexibel. „Wir sind deshalb auch viel beweglicher als viele Tech-Konzerne“, meint der Chef.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Auskünfte Lempe, Linkedin, grünspechtvisionlabs.com

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