„Composite Learning“: Viele Rechenzentren sollen sich zu virtuellen KI-Schulen zusammen tun

Weil Deutschland zu wenig Rechenzentren für Künstliche Intelligenz hat, fördert die Sprungagentur nun dezentrales KI-Training
Leipzig/Dresden, 6. Februar 2025. Weil es in Deutschland zu wenige spezialisierte KI-Rechenzentren gibt, mit denen sich besonders leistungsstarke „Künstliche Intelligenzen“ anlernen lassen, versucht die Bundes-Sprungagentur aus Leipzig nun einen anderen Pfad. Ein millionenteurer Innovationswettbewerb „Composite Learning“ soll den besten Weg aufzeigen, wie sich selbst große KI-Modelle mit dezentralen Datenquellen und Rechenzentren züchten lassen. Sieben Teams aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien sind dabei im Rennen. Dabei handelt es sich teils um Unis, teils um Technologie-Unternehmen. Das hat die „Bundesagentur für Sprunginnovationen“ (Sprind) in Leipzig mitgeteilt.
KI-Zucht bisher durch wenige große Akteure in USA und China dominiert
„Fortschritte bei der Entwicklung und dem Training von Künstlicher Intelligenz (KI) haben massive Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. KI-Modelle können den medizinischen Erkenntnisgewinn beschleunigen, selbstlernende Industrieroboter oder auch komplexe Verkehrsprozesse optimieren“, erklärt „Sprind“ die Ausgangsüberlegungen für den Wettbewerb. „Das Training von Hochleistungs-KI ist jedoch nach wie vor von teuren, zentralisierten Datenzentren abhängig. Nur wenige Akteure haben die Ressourcen, um diese großen Modelle zu trainieren.“ In der Praxis beherrschen daher nur wenige große Unternehmen – vor allem in den USA und China – das Training großer KI-Sprachmodelle. „Der Zugang für kleine und mittelständische Unternehmen und Start-ups ist begrenzt, vor allem in Deutschland und Europa, wo diese Rechenressourcen noch weitestgehend fehlen“, betonen die Sprind-Vertreter.
7 Teams unter 50 Bewerbern aus ganz Europa ausgewählt
Daher habe die Agentur Akteure aus ganz Europa eingeladen, um ihre Ideen „für ein robustes und skalierbares Framework für Composite Learning zu präsentieren, das KI-Training über verschiedene und dezentralisierte Systeme hinweg ermöglicht“. Eine Jury aus KI-Branchenexperten, VC-Finanzierern und Wissenschaftlern hat inzwischen unter 50 Bewerbern sieben Teams ausgewählt, die jeweils bis zu 530.000 Euro für die nächsten zwölf Monate erhalten, um ihre Ideen voranzutreiben. Gefragt sind dabei Lösungen, die wenig kosten, wenig Energie verbrauchen, rasch marktreif gemacht werden können und die Datenschutz-Regeln einhalten.
Die Teams:
Konkret haben sich für die aktuelle Runde folgende Teams durchgesetzt:
- Exalsius (logsight.ai GmbH und TU Berlin),
- SymphonyLearn (TU Darmstadt),
- Hypha (Katulu GmbH, Hamburg),
- CambridgeFlower (University of Cambridge und Flower Labs),
- Mosaic (Jiva.ai),
- Planetary Compute Platform (Deltawave.fr) und
- „Aether“ von Semron Dresden.
Sächsischer Vertreter „Semron“ ist auf KI-Beschleuniger-Hardware spezialisiert
Das sächsische Team besteht übrigens aus Tilmann Bartsch, Alexander Lowa und Friedrich Hunstock. Sie wollen ein „Aether“-Netz entwickeln, das bei geringem Rechenaufwand und gesichertem Datenschutz ein dezentrales Lernen ermöglicht. Dafür setzen die Dresdner laut eigenen Angaben auf die intelligente Weitergabe von Netzwerkparametern und „Hypernetzwerke als Stellvertreter für den Parameter-Austausch anstelle des direkten Modellteilens“. Semron wurde 2020 durch Aron Kirschen und Kai-Uwe Demasius aus der Technischen Universität Dresden ausgegründet. Das Tech-Unternehmen hat sich auf KI-Beschleunigerchips spezialisiert.
Anfang 2026 entscheidet Jury über weitere Zuschüsse
Im Januar 2026 werden die Wettbewerber ihre Ergebnisse der Jury vorstellen. Die besten Teams erhalten in den nächsten Wettbewerbsstufen dann bis zu 1,1 Millionen Euro, um ihre Konzepte zur weiter zu entwickeln.
Autor: hw
Quellen: Sprind, Oiger-Archiv

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