Bioelektronik aus Dresden soll Taube wieder hören und Lahme gehen lassen

Neuroingenieur Minev bekommt Stipendium vom Europäischen Forschungsrat
Dresden, 23. Januar 2025. Bioelektronik kann Tauben, Gelähmten und anderen Menschen mit Nervenschäden helfen, etwas Lebensqualität im Alltag zurückzugewinnen. Bisher pflanzen Mediziner dafür allerdings oft Platin-Elektroden in Hirn oder Ohr ein. Beispiele sind Cochlea-Implantate sowie Tiefenhirn- und Rückenmarkstimulatoren. Diese Metall-Silikon-Implantate unterscheiden sich freilich stark von natürlich gewachsenem Gewebe und können Entzündungen oder Narben verursachen. Prof. Ivan Minev vom „Else-Kröner-Fresenius-Zentrum (EKFZ) für Digitale Gesundheit“ in Dresden arbeitet daher nun an weichen bioelektronischen Materialien, die biologisches Gewebe und vom Körper gut verträgliche, biegsame Elektronik verbinden.
Beschichtungen für Implantate
Für sein Projekt „Coatarray“ bekommt er nun ein 150.000 Euro umfassendes Stipendium vom Europäischen Forschungsrat (ERC). Das geht aus einer Mitteilung der TU Dresden hervor, an der das EKFZ angesiedelt ist. Mit dem Geld wollen die beteiligten Mediziner und Polymerforscher spezielle Beschichtungen entwickelt, um die elektrische und mechanische Leistungsfähigkeit solcher bioelektronischen Implantate zu verbessern.“
Hilfe für Menschen mit Nervenschäden erwartet
„Hier sind ganz neue Therapiekonzepte und Behandlungsmöglichkeiten denkbar, die vielen Menschen mit neurologischen Erkrankungen künftig helfen können“, kommentiert der sächsische Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) den Zuschlag. Das Projekt ein Beispiel dafür , wie Sachsen „exzellente Forschungsergebnisse in tatsächliche Anwendungen“ überführe.
Bio-inspiriertes Hydrogel als Basis
„Unsere spezielle Beschichtung basiert auf einem bio-inspirierten Hydrogel, einem weichen Material, das zum Großteil aus Wasser besteht“, erklärt Prof. Minev sein Vorhaben. „Durch den Einbau von leitfähigen Polymeren erreichen wir ausgezeichnete elektrische Eigenschaften. Damit hat unsere Beschichtung ähnliche Eigenschaften wie biologisches Gewebe.“ Der Dresdner Neurochirurg Dr. Witold Polanski rechnet mit großen Vorteilen für betroffene Menschen: „Coatarray hat das Potenzial, die Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit von implantierten Elektrodenarrays signifikant zu steigern – was vor allem für Patientinnen und Patienten von großem Nutzen wäre.“
Transfer in die klinische Praxis gleich mitgedacht
Minev und seine Kollegen wollen schon während der Forschungen Marktpotenziale analysiert, eine medizinische Zulassung sowie eine spätere Kommerzialisierung ihrer Bioelektronik vorbereiten. Am Projekt beteiligt sind das EKFZ, die Neurochirurgie am Uniklinikum Dresden und das „TUD Excellence Center for Innovation, Transfer and Entrepreneurship“ (TUD|excite). Ivan Minev selbst hatte Physik in London spezialisiert, sich dann in Cambridge als Neuroingenieur spezialisiert und in Lausanne geforscht, bevor er 2023 Professor für „Electronic Tissue Technologies“ an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und am Leibniz-Institut für Polymerforschung (IPF) Dresden wurde.
Autor: hw
Quellen: TUD, SMWK

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