BUND kritisiert Terminalpläne in Riesa: Hafen ohne Schiffe ist ein Witz

Investor SBO verweist auf wachsendes Güteraufkommen in Sachsen, Umweltverband auf de-facto-Ende der Containerschifffahrt auf der Elbe
Riesa, 7. Januar 2025. Weil echte Güterschifffahrt nach Ansicht des „BUND“ im Hafen Riesa immer weniger stattfindet und statt dessen durch Laster-Verkehr verdrängt wird, hat der Umweltverband „BUND“ die dortigen Umbaupläne erneut kritisiert: „Seit 2020 gibt es laut BUND-Mitgliedern vor Ort keine Containerschiffe mehr auf der Elbe bei Riesa“, berichtete Vorsitzender Felix Ekardt vom BUND Sachsen. „Ein Containerhafen ohne Containerschiffe – das wirkt wie ein schlechter Witz.“
Bahngleise, Umschlagplatz und Portalkräne für Containerumschlag geplant
Die Kritik richtet sich insbesondere gegen den Planfeststellungsbeschluss der Landesdirektion Sachsen, mit dem die Behörde dem Verkehrsunternehmen „Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH“ (SBO) grünes Licht für den Ausbau im Hafen Riesa gegeben hatte. Die SBO will dort für 24 bis 30 Millionen Euro ein neues, trimodales Terminal mit sechs Eisenbahn-Gleisen, einer Umschlagfläche und zwei Portalkranen bauen, die jährlich bis zu 100.000 Container zwischen Lkw, Zügen und Schiffen umschlagen sollen.

SBO-Chef Loroff: Frachtaufkommen steigt stetig
„Das bestehende Terminal genügt nicht mehr den heutigen Anforderungen an ein Terminal für den kombinierten Verkehr“, hatte SBO-Chef Heiko Loroff kürzlich in einem Blog-Interview für das sächsische Wirtschaftsministerium betont. „Es ist kapazitätsmäßig an seine Grenzen gekommen, der bauliche Zustand der Flächen, Gleise und Zufahrten ist stark sanierungsbedürftig. Ebenso entsprechen die logistischen Abläufe nicht mehr dem Stand der Technik.“ Der Bedarf sei da: Das Frachtaufkommen in Sachsen und im grenzüberschreitenden Güterverkehr mit Polen und Tschechien steige stetig. Zudem müsse man die logistische Infrastruktur im Freistaat für künftige Ansiedlungen ertüchtigen.
BUND: Containerschifffahrt auf der Elbe ist faktisch zum Erliegen gekommen
„Die ganzjährige Schiffbarkeit der Elbe für Güterschiffe ist eine Illusion“, hält Felix Ekardt dagegen. Mit Güterschifffahrt habe das geplante Terminal insofern wenig zu tun. Der Gütertransport verlagere sich zunehmend auf die Schiene und die Straße. Durch den Neubau sei eine zusätzliche Verkehrsbelastung von bis zu 200 zusätzlichen Lkw-Fahrten pro Tag führen, vor allem im angrenzenden Stadtteil Gröba. Und es gebe gar keine wirtschaftliche Grundlage für den Ausbau, „da die Containerschifffahrt auf der Elbe faktisch zum Erliegen gekommen ist“, so der BUND Sachsen. „Der Ausbau des Riesaer Hafens erscheint daher wie ein Vorwand, um weiterhin Fördermittel von Bund und EU zu erhalten.“
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: BUND Sachsen, SMWA

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