Internet gewinnt für politische Meinungsbildung an Gewicht

Eco-Verband fordert mehr Medienkompetenz-Vermittlung an Schulen
Köln, 3. Oktober 2024. „Wahlentscheidungen werden zunehmend auf der Basis von Informationen aus dem Internet getroffen“, schätzt Geschäftsführer Alexander Rabe vom Internetwirtschafts-Verband „Eco“ in Berlin ein. „Das hat den Vorteil, dass neben der reinen Informationsbeschaffung auch zahlreiche Möglichkeiten bestehen, um mit den Parteien und den Kandidatinnen in den Kontakt zu treten.“
Fast 60 % saugen Polit-Infos aus dem Netz
Laut einer Eco-Umfrage ziehen sich fast 60 Prozent der Menschen in Deutschland ihre politischen Informationen von Online-Nachrichtenportalen – Tendenz: steigend. Beliebt bleiben aber auch TV und Zeitung als Info-Quellen. Vergleichsweise wenig genutzte Informationsquellen sind offizielle Regierungswebseiten (7,8 Prozent). Zwar sieht – über die gesamte Bevölkerung abgefragt – nur jeder Vierte auch Austauschnetze wie Facebook, Twitter, Instagram & Co. als wichtige Quelle für politische Informationen. Aber gerade unter Jüngeren liegen die Quoten tendenziell höher.

Griff zum Smartphone wird immer mehr zu Grundeinstellung
Umso wichtiger sei es aber, dass die Nutzer die im Netz gefundenen Informationen und Meinungen kritisch hinterfragen, betonen die Eco-Experten. „In Zeiten, in denen Falschinformationen teils unkontrolliert und mit manipulativer Absicht über soziale Medien verbreitet werden, wird Medienkompetenz zu einer Grundvoraussetzung für den Bezug belastbarer Informationen.“ Wichtig sei es, Informationen aus dem Netz sachlich abzuwägen, müsse schon in der Schule geübt werden, fordert Rabe. „Gerade, wenn das Greifen zum Smartphone, dem Tablet oder Laptop bei einer Recherche zum Default* wird, müssen bereits Kinder und Jugendliche in der Lage sein, glaubwürdige Quellen zu erkennen und Tatsachenbehauptungen zu überprüfen.”
Rekordzugriffe auf Wahlomaten im Netz
Und: Auch wenn Regierungsseiten eher geringe Bedeutung für die politische Meinungsbildung der Bürger hat, erfreuen sich ausgewählte staatsnahe Angebote doch großer Beliebtheit. Dazu zählen insbesondere die Wahlomaten der Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung. Diese interaktiven digitalen Vergleichsportale für die Wahlprogramme der Parteien knackten erst kürzlich während der Europawahlen sowie während der Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg frühere Nutzerrekorde. Allein der Europawahlomat 2024 wurde 14,5 Millionen Mal genutzt – und damit fast anderthalb mal so oft wie vor der Europawahl 2019, berichtet die Bundeszentrale (BpB). Vor der Landtagswahl in Sachsen gab es über 600.000 Zugriffe auf den Wahlomaten der dortigen Landeszentrale, in Thüringen waren es über 400.000 Zugriffe.
Autor: hw
Quellen: Eco, BpB
* Default = Grundeinstellung

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