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Prognose: CO2-Abscheider schaffen 2045 etwa 2,5 Gigatonnen pro Jahr

Die CCUS-Kette von der CO2-Quelle bis zur Speicherung oder Verwertung. Grafik: IDTechex
Die CCUS-Kette von der CO2-Quelle bis zur Speicherung oder Verwertung. Grafik: IDTechex

Steigende Kohlendioxid-Preise werden die CCUS-Technologie attraktiver machen, meint IDTechex

Cambridge, 13. Juli 2024. Im Jahr 2045 werden weltweit genug „CCUS“-Anlagen installiert, um damit jährlich rund 2,5 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Kohlendioxid (CO2) aus der Luft oder Abgasen abzuscheiden und dann weiter zu verwerten oder langfristig unter der Erde abzuspeichern. Das prognostizieren die Technologiemarkt-Analysten von „IDTechex“ aus dem britischen Cambridge – und verweisen auf über 18 Prozent jährliche Wachstumsraten.

Idee: CO2 abfangen und verwerten oder binden

Solche Anlagen werden als „Carbon capture, utilization, and storage“ (CCUS) bezeichnet. Sie sind inzwischen bereits an mehreren Standorten weltweit installiert, zum Beispiel in der Schweiz und in Island. Die Idee dahinter ist, zumindest ein Teil des schwer vermeidbaren CO2-Ausstoßes von Fabriken, Maschinen, Autos und dergleichen mit technischen Mitteln aus der Atmosphäre – oder direkt „am Fabrikschornstein“ – abzusaugen. Dieses Kohlendioxid führen die Aggregate dann entweder in elektrochemische Prozesse wie die Kraftstoff-Synthese ein, binden es chemisch oder verpressen es und bringen es dann unter die Erde zu bringen.

Kritiker sehen geologische Risiken und setzen auf strikte CO2-Vermeidung

Deutschland tat sich allerdings lange schwer mit dem Konzept – über ein paar Pilotanlagen ist CCUS in der Bundesrepublik nie hinausgekommen. Ein paar Gründe dafür: Der Betrieb ist kostspielig, verpresstes unterirdisches CO2 kann womöglich geologische Risiken bergen. Zudem fürchten vor allem Grüne und Umweltverbände, dass CCUS ihren Pfad einer strikten CO2-Vermeidung aufweichen könnte.

Analysten: Kosten werden sinken, CO2-Preisdruck steigt

Die IDTechex-Analysten sehen allerdings gute Perspektiven für diesen Ansatz: „Technologien zur Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung bieten einen sofort einsatzbereiten Weg zur Dekarbonisierung bestehender fossiler Brennstoffanlagen und ermöglichen gleichzeitig das Wachstum neu entstehender nachhaltiger Industriesektoren wie blauer Wasserstoff“, argumentieren die Briten. Aber die Abscheide-Technologien müssten auch dringend weiterentwickelt werden, um sich breiter durchzusetzen: „Damit CCUS die Werte erreicht, die zur Erreichung der Netto-Null-Ziele bis 2050 erforderlich sind, sind innovative neue Abscheidungslösungen erforderlich, um die Kosten zu senken“, heißt es in einer Zusammenfassung der IDtechex-Studie „Carbon Capture, Utilization, and Storage Markets 2025-2045“. Und wieder: „Auf der Suche nach niedrigeren Abscheidungskosten werden alternative Punktquellen-Abscheidungstechnologien entwickelt, darunter neue Lösungsmittel, Sorbentien, Membranen, kryogene Methoden und Oxyfuel-Designs.“

Hinzu kommt: Die EU und die Mitgliedsstaaten werden CO2-Ausstöße künftig immer weiter verteuern, um Anreize zu schaffen, wenige Abgase in die Außenluft zu blasen. Dies werde parallel zu den technologisch erreichbaren Kostensenkungen dazu führen, dass künftig weit mehr Abscheide-Anlagen als bisher installiert werden, prognostizieren die Analysten.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IDTechex, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger