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Vier Institute: Sanktionen schaden Russlands Kriegsfähigkeit kaum

Die Gas- und Ölindustrie spielt eine zentrale Rolle für die russische Wirtschaft. Hier das Gasverarbeitungswerk Amur vom Gazprom. Foto: Gazprom (Pressefoto)

Die Gas- und Ölindustrie spielt eine zentrale Rolle für die russische Wirtschaft. Hier das Gasverarbeitungswerk Amur vom Gazprom. Foto: Gazprom (Pressefoto)

EU-Embargos wirken womöglich langfristig als Gift, meinen die Forscher

Wien/Kiel/München, 8. Juli 2024. Die europäischen Sanktionen haben die Fähigkeit Russlands. Krieg gegen die Ukraine zu führen, bisher nur wenig beeinträchtigt. Das haben vier Forschungsinstituten aus Kiel, München und Wien in einer gemeinsame Studie für das Wirtschaftsministerium in Berlin eingeschätzt. „Die Wirtschaft des Landes wächst angesichts des Rüstungsbooms momentan kräftig“, meint Russland-Experte Vasily Astrov vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (Wiiw). „Allerdings wirken die Sanktionen langfristig wie ein schleichendes Gift.“

Russische Wirtschaft wächst stärker als die deutsche

Die russische Wirtschaftsleistung lag demnach Ende 2023 fast 20 Prozent über dem Niveau im Jahr 2021 vor dem Beginn des Angriffs auf die Ukraine. Sie ist damit deutlich dynamischer gewachsen als die deutsche Wirtschaft, die weitgehend auf der Stelle tritt. Nach unterschiedlichen Schätzungen ist die russische Wirtschaft im Jahr 2023 um 2,2 bis 3,5 Prozent gewachsen, die deutsche hingegen um 0,3 Prozent gesunken. Vor allem die russischen Militärausgaben sind seit dem Kriegsbeginn stark gestiegen, diese staatlichen Ausgaben wirken offensichtlich als Treiber für die Industrieproduktion. Die Inflation stieg zeitweise auf rund 18 Prozent, ist allerdings inzwischen wieder auf knapp acht Prozent gesunken. Weitere Angaben dazu sind über den „Russland-Monitor“ der Institute hier im Internet zu finden.

Für die Studie hatten das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (Wiiw), das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Ifo-Institut in München und das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) zusammengearbeitet. Die Forscher haben die russische Kriegsfähigkeit unter anderem an Militärausgaben, Wirtschaftsleistung, Ölpreis-Entwicklung, Industrieproduktion, Exporten und Importen festgemacht. Das deutsche Bundeswirtschaftsministerium hatte die Untersuchung finanziert.

Autor: Oiger

Quellen: IfW Kiel, Ifo, Handelsblatt, Destatis

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt