Horchen Quantensensoren digitale Geheimnisse aus?

Cyberagentur lädt Experten ein, Seitenkanal-Angriffe auf Computerchips durch hochpräzise Quantensensoren auszutesten
Halle, 25. Juni 2024. Neuartige Quantensensoren sind teils derart leistungsstark und empfindlich, dass sich mit ihnen womöglich das Innere von Prozessoren, Speicherchips und anderer Mikroelektronik per Seitenkanal-Angriff aushorchen lässt. Das befürchtet zumindest die Bundes-Cyberagentur in Halle. Daher können sich nun Unternehmen, Forschungsinstitute und andere Einrichtungen um Zuschüsse für das Projekt „Seitenkanalangriffe mit Quantensensorik“ (SCA-QS) bewerben, um denkbare Einfallstore für quantentechnologisch gerüstete Spione auszutesten.
Qualitätssprung in der Sicherheitstechnologie erwartet
„Quantensensoren, bekannt für ihre überlegene Auflösung und Empfindlichkeit, könnten einen neuen Qualitätssprung in der Sicherheitsforschung und -technologie bedeuten“, schätzt Quantentech-Spezialist Dr. Roman Bansen von der Cyberagentur ein. Daher sei es nun notwendig, „neue Angriffsvektoren auf Mikrochips in sicherheitskritischen Umgebungen“ zu identifizieren.
Ein bisschen wie Lauschen an der Tür
Hintergrund: Seitenkanal-Angriffe sind ein bisschen wie „Lauschen an der Tür“, wenn man keinen direkten Draht in eine geheime Sitzung hat. Dabei versuchen Angreifer, Daten aus Computerchips abzufassen, die normalerweise für Außenstehende nicht auslesbar sind, weil sie beispielsweise verschlüsselt sind. Dafür messen die Spione beispielsweise Antwortzeiten, kleine elektromagnetische Abstrahlungen oder den Energieverbrauch eines Schaltkreises aus, um Rückschlüsse auf den inneren Aufbau des Chips, die Chiffrier-Methoden und die verarbeiteten Daten im Klartext zu gewinnen. Ein anschauliches Beispiel dafür schildert unter anderem Constantin Gillies im Band „00:01“ seiner „Schröder“-Cyberkrimireihe.
Ähnlich wie zwischen Hackern und Software-Unternehmen ist auch bei den Seitenkanal-Angriffen ein steter Wettlauf zwischen Herstellern und Angreifern im Gange, dessen Ausgang nicht zuletzt von der Genauigkeit der eingesetzten Messtechnik abhängt. Neue Quantensensoren könnten da im wörtlichen Sinne einen Quantensprung für Seitenkanal-Angriffe auslösen.
Angriffe im Labormaßstab geplant
Die Cyberagentur will daher, dass die Teilnehmer ihres neuen Projektes zunächst fachübergreifend „die grundsätzliche Eignung von Quantensensorik für Seitenkanalanalysen überprüfen“. In der zweiten Projektphase ist dann geplant, solche Quantensensor-Angriffe im Labor experimentell zu erproben.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Cyberagentur, Wikipedia, Oiger-Archiv

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