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Laute Froschinvasion drückt Hauspreise in Südamerika

Johnstones Pfeiffrosch (Eleutherodactylus johnstonei). Foto: Senckenberg

Johnstones Pfeiffrosch (Eleutherodactylus johnstonei). Foto: Senckenberg

Dresdner Senckenberg-Forscher spüren der Ausbreitung des „Johnstones Pfeiffrosch“ nach

Dresden, 6. Januar 2023. Ein Pfeiffrosch macht international Karriere – und sich dabei nicht gerade beliebt. Der ursprünglich auf den Kleinen Antillen in der Karibik beheimatete amphibische Invasor hat sich nämlich zum Schrecken von Hausbesitzern mittlerweile in ganz Süd- und Mitteleuropa ausgebreitet. „Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die heimischen Ökosysteme, sondern auch auf den Immobilienmarkt“, erklärt Dr. Raffael Ernst von den Senckenberg-Sammlungen Dresden, der die genetische Vielfalt dieser Froschart untersucht hat. „Die nächtlichen, ohrenbetäubenden Konzerte der winzigen Frösche führen in Teilen Südamerikas bereits zu einem Verfall der Grundstückspreise.“

Invasion startete spätestens 1880

Heute gelte der „Johnstones Pfeiffrosch“ als eine der am weitesten verbreiteten und erfolgreichsten invasiven Amphibienarten, berichtet der Naturforscher. „Er wird nur noch übertroffen von der Aga-Kröte Rhinella marina und dem amerikanischen Ochsenfrosch Lithobates catesbeianus.“ Die Froschinvasion lasse sich mindestens bis ins Jahr 1880 zurückverfolgen und gehe vor allem auf menschliches Tun zurück – vor allem den Pflanzenhandel. Dadurch gelangte die ausbreitungsfreudige Amphibie sogar bis Europa. In Deutschland, in der Schweiz und in den Niederlanden hat es sich der Pfeiffrosch vor allem in Botanischen Gärten bequem gemacht. Außerhalb Gewächshäuser seien die kleinen Frösche in Europa aber nicht überlebensfähig, betonen die Senckenberg-Experten.

Gen-Vielfalt hilft kaum bei Landnahme

Ein internationales Team um Raffael Ernst habe nun untersucht, ob es dem Frosch auch durch viele Mutationen, also durch genetische Vielfalt gelungen sei, so schnell auf anderen Inseln und Kontinenten Fuß zu fassen. Die Befunde waren allerdings negativ: „Es wird allgemein angenommen, dass genetische Vielfalt eine erfolgreiche Invasion begünstigt“, erläutert Doktorandin Franziska Leonhardt. „Unsere Ergebnisse zeigen – entgegen der gängigen These –, dass unsere beiden eingewanderten Frösche im Vergleich zur heimischen Art genetisch verarmt sind. Erfolgreiche invasive Arten sind demnach genetisch nicht zwingend vielfältiger als ihre nicht-invasiven Artgenossen.“

Quelle: Senckenberg Dresden

Wissenschaftliche Publikation:
Leonhardt F., Arranz Aveces C., Müller A., Angin B., Jegu M., Haynes P., Ernst R.: „Low genetic diversity in a widespread whistling alien: A comparison of Eleutherodactylus johnstonei Barbour, 1914 (Eleutherodactylidae) and congeners in native and introduced ranges“, in: NeoBiota 2022, im Netz unter: https://doi.org/10.3897/neobiota.79.86778