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Kohlenstoffpanzer für ein langes Werkzeug-Leben

Das Antacon-Team im Labor: Jan Bretschneider (links, David Haldan (sitzend), Johannes Maus und Hagen Grüttner (rechts). Foto: Meeco

Das Antacon-Team im Labor: Jan Bretschneider (links, David Haldan (sitzend), Johannes Maus und Hagen Grüttner (rechts). Foto: Meeco

Risikokapitalisten geben Hochschul-Ausgründung Antacon aus Mittweida einen Millionenzuschuss

Mittweida/Dresden, 24. Dezember 2022. Damit Werkzeuge, Autobauteile und andere Industriekomponenten länger halten und weniger Energie verplempern, hat das Laserinstitut der Hochschule Mittweida eine besonders harte Kohlenstoff-Beschichtung für Bauteile entwickelt. Die aus diesem Projekt im Jahr 2021 ausgegründete Firma „Antacon“ hat nun einen Millionenspritze von Risikokapitalisten bekommen, um die Technologie in die Großserie zu bringen. Das hat die Dresdner Sparkassentochter „SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft“ als einer der Geldgeber nun mitgeteilt.

Mit einer speziellen Kohlenstoffschicht gehärteter Bohrer. Foto: Antacon GmbH via Hochschule Mittweida

Mit einer speziellen Kohlenstoffschicht gehärteter Bohrer. Foto: Antacon GmbH via Hochschule Mittweida

Schutzschicht soll Kosten sparen und Ausfälle verhindern

„Das Problem, mit dem wir uns beschäftigen, ist der Verschleiß von Werkzeugen und Komponenten im industriellen Umfeld, welcher entweder direkt durch nötige Neuanschaffungen oder indirekt durch Produktionsausfälle enorme Kosten verursacht“, erklärt Antacon-Chef Hagen Grüttner. „Der wirtschaftliche Schaden, der dadurch entsteht, wird allein in Deutschland auf rund 35 Milliarden Euro beziffert.“ Durch die neue Kohlenstoffschicht aus Mittweida sollen Werkzeuge nun fünf bis zehnmal länger halten. „Dieser Effekt führt gerade im Bereich der Metallbearbeitung, aber auch in anderen Branchen wie beispielsweise der Optik- und Pharmaindustrie zu maximaler Standzeiterhöhung und damit zu ungeahnter Kostenersparnis und Prozesssicherheit.“

Schicht könnte Druck nahe am Erdkern aushalten

Die sächsischen Ingenieure verwenden die Laserpulsabscheidung (PLD), um ihre Schichten im Vakuumkammern zu erzeugen. Die damit aufgetragene Antacon-Kohlenstoffschicht halte auch unter extremen Einsatzbedingungen, platze nicht einfach ab und widerstehe Drücken bis zu 70 Gigapascal, teilt die Hochschul-Ausgründung mit. Das entspricht dem Millionenfachen des normalen Luftdrucks und nähert sich Drücken, wie sie im Erdkern herrschen – dort, wo sich unter extremem Druck Diamanten bilden. Damit seien die Schichten aus Mittweida vielen Konkurrenzlösungen deutlich überlegen, meinen die Antacon-Ingenieure.

Fraunhofer Dresden mit ähnlichen Lösungen

Die Mittweidaer sind nicht die ersten, die an extrem harten Kohlenstoffschichten nach dem Vorbild von Diamanten arbeiten. Solche Schutzpanzer haben beispielsweise bereits das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) und die „VTD Vakuumtechnik Dresden“ gemeinsam unter dem Markennamen „Diamor“ entwickelt. Diese fast diamantharten Schichten mindern beispielsweise die Reibung und den Kraftstoffverbrauch in Motoren.

Umzug in alte Baumwollspinnerei Mittweida geplant

Mit dem – nicht näher bezifferten – siebenstelligen Betrag, den „Antacon“ nun von der Sparkassentochter, der Dresdner „Gigahertz Ventures GmbH“ und weiteren Kapitalgebern bekommen hat, wollen die Gründer nun eine neue Wachstumsphase für das Unternehmen finanzieren. „Die nächsten Schritte sind die Erstellung mindestens zweier Großserien für Pilotkunden sowie im April der Umzug in die ‚Alte Spinnerei‘“, informiert Mit-Geschäftsführer Jan Bretschneider. In den nächsten fünf Jahren soll das derzeit vierköpfige Team auf bis zu 20 Beschäftigte wachsen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SIB, Antacon, Oiger-Archiv, Hochschule Mittweida