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Dresdner Krebsforscher entwickeln Schnelltest für Rest-Leukämie

Ein Mitarbeiter analysiert im Uniklinikum Dresden eine Knochenmark-Probe am Durchflusszytometer. Foto: Marc Eisele für das UKD

Ein Mitarbeiter analysiert im Uniklinikum Dresden eine Knochenmark-Probe am Durchflusszytometer.
Foto: Marc Eisele für das UKD

Durchflusszytometrie testet Knochenmark-Proben binnen 5  Minuten auf AML-Relikte – Ärzte können dann rascher über neue Therapien entscheiden

Dresden, 8. November 2022. Mit einer neuen Analysemethode aus Sachsen lassen sich Rückfallrisiken nach einer Chemotherapie gegen „Akute myeloische Leukämie“ (AML) nun besser und rascher erkennen als bisher. Dabei setzen die Forscher auf die Durchflusszytometrie. Dahinter stecken Geräte, in denen Laser durchfließende Knochenmark-Zellen binnen fünf Minuten abtasten und auf 32 krankheitsrelevante Antigen-Kombinationen hin analysieren. Dadurch lassen sich selbst dann noch Reste von Blutkrebs erkennen, wenn Lichtmikroskope in den Patientenproben keinerlei Krebszellen mehr finden können. Das haben das Uniklinikum und das „Nationale Centrum für Tumorerkrankungen“ (NCT) in Dresden als Projektpartner mitgeteilt.

Ärzte können künftig rascher mit Stammzell-Therapie gegensteuern

Mit der neuen Methode könnten sich die Überlebenschancen von rückfallgefährdeten Blutkrebspatienten verbessern, da die behandelnden Ärzte dann womöglich andere Therapien einsetzen können: „Wenn bei einem Patienten nach den ersten ein bis zwei Chemotherapiezyklen eine messbare Resterkrankung nachweisbar ist beziehungsweise im Verlauf nicht verschwindet, kann das ein Faktor sein, bei dem man zu einer Stammzelltransplantation raten würde“, erklärt Prof. Martin Bornhäuser vom NCT-Direktorium. Die Dresdner wollen ihren neuen und standardisierten Schnelltest künftig auch anderen Krankenhäusern anbieten, die bisher kaum geeignete Analysetechnik für die Nachbetreuung von AML-Patienten haben.

Hohe Trefferquote

Um den Schnelltest zu entwickeln und zu überprüfen, hatten die Forscher die Proben von 246 AML-Patienten nach einer Chemotherapie damit untersucht. Als Referenz dienten 90 Proben von gesundem und leukämiefreiem Knochenmark. Das neue Verfahren erwies sich in diesem Rahmen als zuverlässig. „Die prognostische Aussagekraft unserer Diagnostik für den weiteren Behandlungsverlauf war auch dann signifikant, wenn weitere wichtige Größen wie das Alter oder das genetische Risikoprofil der Leukämie in die Vorhersage-Modelle einbezogen wurden“, betonte Studien-Erstautor Dr. Maximilian Röhnert.

AML ist selten, aber unbehandelt tödlich

Pro Jahr erkranken etwa 4100 Menschen in Deutschland an „Akuter myeloischer Leukämie“, vor allem Erwachsene. Damit gilt AML als eher seltene Krebsspielart. Unbehandelt tötet der Blutkrebs den Patienten binnen weniger Wochen. „Deshalb ist es außerordentlich wichtig, dass nach der Diagnose umgehend mit einer Therapie begonnen wird“, schätzt das „Kompetenznetz Leukämie“ ein. Nach einer ersten Chemotherapie seien bei rund 70 Prozent der Betroffenen zunächst keine Leukämiezellen mehr unter dem Mikroskop erkennbar, heißt es vom NCT. „Ohne weitere Behandlung erleiden allerdings 50 Prozent dieser Patientinnen und Patienten einen Rückfall innerhalb der nächsten sechs Monate.“ Von daher ist eine zuverlässigere und doch schnelle Erkennungsmethode schon längst überfällig.

Autor: hw

Quellen: NCT, UKD, Kompetenznetz Leukämie

Wissenschaftliche Publikation:

Röhnert, M.A., Kramer, M., Schadt, J. et al. Reproducible measurable residual disease detection by multiparametric flow cytometry in acute myeloid leukemia. Leukemia 36, 2208–2217 (2022). https://doi.org/10.1038/s41375-022-01647-5