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Powerpaste sorgt bei Stromausfällen für „Saft“

Im neuen Notstromaggregat von Grünland und Fraunhofer Ifam Dresden erzeugt eine Brennstoffzelle die elektrische Energie aus Wasserstoff, der wiederum durch Powerpaste in Kartuschenform eingespeist wird. Foto: Heiko Weckbrodt

Im neuen Notstromaggregat von Grünland und Fraunhofer Ifam Dresden erzeugt eine Brennstoffzelle die elektrische Energie aus Wasserstoff, der wiederum durch Powerpaste in Kartuschenform eingespeist wird. Foto: Heiko Weckbrodt

Fraunhofer Dresden entwickelt mit österreichischen Partnern wasserstoffgespeistes Notstromaggregat für Mobilfunk

Dresden, 18. Juli 2022. Wasserstoff-basierte „Powerpaste“ aus Dresden soll künftig bei Stromausfällen Mobilfunk-Stationen und Rechentechnik am Laufen halten. Ein dafür geeignetes 900-Watt-Notstromaggregat haben das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (Ifam) aus Dresden und das Unternehmen „Grünland“ aus Österreich gemeinsam konstruiert. Die dabei eingesetzte Powerpaste habe eine etwas zehnmal so hohe Energiedichte wie ein Lithium-Akku, betonten die Entwickler. Dadurch könne das System beispielsweise eine Mobilfunkstation etwa 48 Stunden lang mit Strom versorgen – und zwar ganz ohne den Krach, den etwa ein klassisches Diesel-Notstromaggregat macht.

So sieht die Powerpaste aus. Foto: Fraunhofer Ifam

So sieht die Powerpaste aus. Foto: Fraunhofer Ifam

Gas chemisch in Magnesium gebunden

Die Nutzer speisen das neuartige Notstromaggregat eben nicht mit fossilen Brennstoffen, sondern mit Wasserstoff, der sich auch vergleichsweise umweltfreundlich per Elektrolyse gewinnen lässt. Statt das Gas aber zu verdichten beziehungsweise zu verflüssigen, um es zu puffern, haben die Fraunhofer-Ingenieure aus Dresden einen anderen Weg gefunden: Sie binden den Wasserstoff chemisch in einer Paste aus Magnesiumhydrid. Die kann laut Ifam umgerechnet etwa 1,9 Kilowattstunden elektrische Energie pro Liter speichern. Um diese Energie freizusetzen, setzt die Anlage der Paste Wasser zu. Dabei entsteht wieder gasförmiger Wasserstoff, mit dem sich ein Brennstoffzelle antreiben lässt. Als Abprodukt entsteht Magnesiumhydroxid, das sich laut Ifam als Flammschutzmittel weiterverarbeiten lässt.

Mobiler Einsatz lässt auf sich warten

Ursprünglich hatten die Fraunhofer-Forscher auch an die Möglichkeit gedacht, mit ihrer Powerpaste künftig Brennstoffzellen-Autos zu speisen – immerhin sind ihre Pasten-Kartuschen weit schneller und einfacher eingesetzt als eine klassische Wasserstoff-Betankung. Die Abwärme und die Gesamtkosten des Systems könnten allerdings zum Problem im Autobau werden. Daher sieht das Ifam im mobilen Einsatz inzwischen bessere Chancen, mit der Powerpaste im Schwerlastverkehr zu punkten – also beispielsweise um schwere Laster umweltfreundlich anzutreiben. Und die erste praktischen Einsatzbeispiele für die Kraftpaste werden wohl ohnehin nicht im Verkehr, sondern in festinstallierten Systemen zu finden sein. Das zeigt auch das neue Notstromaggregat, das Ifam-Ingenieure während der jüngsten „Langen Nacht der Wissenschaften 2022“ in Dresden vorgestellt haben. Insgesamt hatte die Wissenschaftsnacht im ersten Präsenzjahr seit Corona rund 32.000 Besucher gehabt.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Ifam