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US-Visionär soll Uni Dresden zur Verkehrsexzellenz verhelfen

Prof. S. Travis Waller. Foto: UNSW Engineering

Prof. S. Travis Waller. Foto: UNSW Engineering

Ingenieur Waller wechselt von Australien nach Sachsen

Dresden, 5. März 2022. Die Rektorin Prof. Ursula Staudinger will den Exzellenzstatus der TU Dresden ausbauen und hat dabei auch ihre Verkehrswissenschaftler im Blick: Die sollen sich bis gegen Ende der Dekade in puncto automatisierte und vernetzte Mobilität eine Führungsposition in Deutschland und mehr internationale Reputation erarbeiten. Dann könnten sie auch einen Fördergeld-Antrag für ein eigenes Exzellenzzentrum bei Bund und Ländern stellen, so der Plan der Dresdner Uni-Strategen. Deshalb haben sie nun auch den renommierten Verkehrssystem-Forscher S. Travis Waller an die TU berufen: Der 48-jährige Ingenieur soll an April 2022 die neugeschaffene Exzellenzprofessur „Verkehrssystemmodellierung“ an der Dresdner Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“ übernehmen. Das hat die TU Dresden mitgeteilt.

Interdisziplinärer Blick auf Verkehrssysteme

Waller wurde in den USA geboren, studierte in Ohio Wirtschaftsingenieurwesen und profilierte sich über Jahre hinweg als Visionär für Verkehrsthemen. Beispielsweise beschäftigte er sich bereits vor 20 Jahren damit, wie sich elektrische und automatisierte Fahrzeugen in Verkehrsströme integrieren lassen, die weiter von klassischen Autos und Lastern dominiert werden. In jüngster Zeit fokussierte er sich vor allem auf Verkehrssystemmodellierung „mit Berücksichtigung von Gerechtigkeit, Fairness, Umweltauswirkungen und anderen ethikbezogenen Auswirkungen des Verkehrs“. Derzeit ist er als Professor an der Universität von New South Wales im australischen Sydney tätig.

Von Forschungsbreite und -tiefe in Dresden begeistert

Eigentlich habe er in Australien bleiben wollen, zitiert die TU Dresden den Forscher. „Doch die Ansprache durch eine derart angesehene internationale Kommission und das Angebot, an der Entwicklung des Potenzialbereichs ,Automatisiertes und vernetztes Fahren‘ im Herzen Europas mitzuwirken, haben mich sehr gereizt“, so Waller. „Zudem bin ich von der Forschungsbreite und -tiefe an der Fakultät Verkehrswissenschaften begeistert. Die Anwesenheit von Forschenden aus Ingenieurfächern wie Verkehr, Elektrotechnik oder Maschinenbau über Informatik, Verkehrsökologie und Verkehrswirtschaft bis hin zur Verkehrspsychologie ermöglicht bereits im Haus ein sehr interdisziplinäres Arbeiten und ist sehr spannend für mich und meine Forschung.“

Uni päppelt „Automatisierte und vernetzte Mobilität“ als „Potenzialbereich“ auf

Derzeit führt die TU Dresden das Thema „Automatisierte und vernetzte Mobilität“ als sogenannten „Potenzialbereich“. Waller soll mit seinem künftigen Team dabei helfen, daraus einen echten Exzellenzschwerpunkt der Dresdner Uni zu machen.

Plan: Bis 2030 nationale Führerschaft übernehmen und Exzellenzantrag stellen

„Mit Prof. Waller gewinnt die verkehrswissenschaftliche Forschung an der TU Dresden einen herausragenden Experten mit wichtigen interdisziplinären Bezügen in die Informatik und in die Sozialwissenschaften“, freut sich Rektorin Staudinger. „Gleichzeitig kann er auf vielfältige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Industrie zurückgreifen. Travis Waller erhöht die Sichtbarkeit unserer einzigartigen verkehrswissenschaftlichen Fakultät auf der internationalen Bühne. Seine Forschungsschwerpunkte und seine internationale Vernetzung werden dem TUD-Potenzialbereich ,Automatisierte und vernetzte Mobilität‘ wichtige Entwicklungsimpulse hin zu einem zukünftigen Exzellenzclusterantrag geben.“

Fakultät war früher eigenständige Verkehrshochschule

Die TU-Fakultät für Verkehrswissenschaften „Friedrich List“ war aus der gleichnamigen DDR-Verkehrshochschule hervorgegangen, die nach der Wende in der Technischen Universität Dresden aufging. Die ehemaligen Verkehrshochschulgebäude nutzt inzwischen die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden. Heute formieren die Dresdner Forscher laut eigenen Angaben die „deutschlandweit die einzige den Verkehrswissenschaften gewidmete Fakultät“. An der Fakultät sind reichlich 200 Wissenschaftler in sieben Teilinstituten und 22 Lehrstühlen tätig. Für die Forscher und die rund 1000 Studenten gibt es unter anderem 30 Labore und Versuchseinrichtungen.

Die TU Dresden ist die einzige Exzellenz-Uni in Ostdeutschland, wenn man Berlin einmal ausklammert. Neben diesem generellen Status gab und gibt es hier auch mehrere spezialisierte Exzellen-Forschungszenren, die sich beispielsweise mit der Physik des Lebens, Quantenphysik, Nanoelektronik und anderen Themen beschäftigen. Diese Riege der spezialisierten Exzellenzcluster innerhalb der Uni wollen die Dresdner gerne vergrößern – unter anderem mit dem Themenkreis autonomes und vernetztes Fahren.

Autor: hw

Quelle: TUD