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Dresdner Chipveredler eröffnen Zweitstandort bei Bratislava

Ionentechnologie-Direktor Dr. Roman Böttger von der HZDR Innovation steht mit einer Wafer-Kassette an der neuen Ionenimplantations-Endstation im slowakischen Trnava. Foto: P. Krajcovic für HZDR Innovation

Ionentechnologie-Direktor Dr. Roman Böttger von der HZDR Innovation steht mit einer Wafer-Kassette an der neuen Ionenimplantations-Endstation im slowakischen Trnava. Foto: P. Krajcovic für HZDR Innovation

Helmholtz-Tochter „HZDR Innovation“ bringt nun auch in der Slowakei Ionenkanonen für die Energiewende in Stellung

Dresden/Trnava, 8. Dezember 2021. Spezialisten vom Dresdner Technologie-Unternehmen „HZDR Innovation“ beschießen seit geraumer Zeit mit ihren Ionenkanonen die Leistungselektronik führender Chiphersteller und werten sie dadurch auf. Nach dieser „Ionenimplantation“ schalten diese Spezialchips in Elektroautos, ICE-Züge und Windkraftwerken effizienter und verplempern weniger Strom. Solche Spezialbehandlungen nach Rossendorfer Art sind inzwischen sehr gefragt. Zudem wächst die Nachfrage für Elektronik, die hohe Spannungen und starke Ströme verträgt, angesichts von Energiewende und Elektomobilitäts-Schenk stark an. Daher hat die Helmholtz-Tochter nun einen zweiten Chipveredelungs-Standort im slowakischen Trnava eingerichtet. Das hat das Mutterinstitut der Transferfirma, das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), mitgeteilt.

Technologieunternehmen verdoppelt Auftrags-Kapazitäten für Halbleiterindustrie

„Damit können wir die Nachfrage von Industriekunden erfüllen, mehr Wafer veredeln zu lassen, als das bisher allein am Standort in Dresden-Rossendorf möglich ist“, betont Ionentechnologie-Direktor Dr. Roman Böttger von der HZDR Innovation. Mit dem neuen Standort will sein Chef Dr. Björn Wolf die Implantations-Kapazitäten für die Chipindustrie verdoppeln. „Wir können damit perspektivisch auch Aufträge von neuen Industriekunden annehmen, die wir bisher vertrösten mussten.“

Beschleuniger aufgerüstet, Reinräume eingerichtet

Um den neuen Veredelungstandort zu etablieren, haben die Experten aus Sachsen in den vergangenen Monaten einen 6-Megawatt-Beschleuniger der Uni Bratislava aufgerüstet, dort Reinräume eingerichtet, eine Ionenimplantations-Endstation eingerichtet und für die höchsten Qualitätsstandards fit gemacht. Nun kann die nahe der slowakischen Hauptstadt gelegene Anlagen leichte Wasserstoff- und Heliumionen bis nahe an die Lichtgeschwindigkeit und auf Energien von mehreren Millionen Elektronenvolt beschleunigen. Die damit beschossene Leistungselektronik kann danach schneller schalten und hat weniger Stromverluste beim Ein- und Ausschalten.

Weitere Investitionen in Trnava geplant

Im Anschluss will HZDR Innovation die slowakische Anlage auch für den Beschuss mit schwereren Elementen wie Bor, Phosphor oder Stickstoff aufrüsten. Sobald dies gelingt und der Prozess in Trnava stabil läuft, wird die Produktion erweitert. „Im Januar 2022 wollen wir zum Zweischicht-Betrieb mit fünf-Tage-Woche übergehen“, kündigt Geschäftsführer Björn Wolf an. Später möchte er am neuen Standort einen weiteren Hochenergie-Beschleuniger und einer Endstation für Niedrigenergie-Implantationen installieren.

Weltmarktführer in der Nische

Das HZDR hatte die „HZDR Innovation“ Ende 2011 in Dresden-Rossendorf gegründet, um Forschungsergebnisse rasch in die Wirtschaft zu transferieren. Mittlerweile hat die Tochter 80 Beschäftigte. Gesellschafter sind das HZDR und – über die „GWT-TUD GmbH“ – auch die TU Dresden. Das Hauptgeschäftsfeld ist die Hochenergie-Ionenimplantation. „Die HZDR Innovation ist heute mit dieser Nischen-Dienstleistung Weltmarktführer“, schätzt Roman Böttger ein. „Diese Dienstleistungen werden von High-Tech-Unternehmen aus aller Welt bei uns nachgefragt.“

Roboter sorgen für mehr Durchsatz

Wegen der steigenden Nachfrage setzt das Unternehmen dafür inzwischen auch Roboter ein, die teilautomatisiert die Ionenkanonen mit Siliziumscheiben (Wafer) der Kunden bestücken. Dadurch können die Beschleuniger nun mehr Wafer veredeln.

Gewinne fließen teils in Helmholtz-Forschung zurück

Die damit generierten Einnahmen kommen letztlich auch wieder der Grundlagenforschung in Dresden zugute. „Ein Teil der Erlöse der HZDR Innovation fließt wieder in die Forschung und ermöglicht so, Ideen unserer Forscherinnen und Forscher in die Anwendung zu überführen“, erklärt HZDR-Wissenschaftsdirektor Prof. Sebastian M. Schmidt. Hinzu komme auch der ideelle Nutzen: „Die weltweiten Kundenkontakte unseres Transferunternehmens tragen erheblich zur Reputation des HZDR in der Wirtschaft bei.“

Markt für Leistungselektronik wächst

Das Marktumfeld für die Helmholtz-Tochter deutet zudem auf weiteres Wachstum hin: Unterschiedlichen Schätzungen zufolge erreichte der globale Umsatz mit Leistungselektronik weltweit im Jahr 2020 umgerechnet zwischen 33,6 und  38,76 Milliarden Euro. In ihren Zukunftsprognosen gehen die Analysten von einem jährlichen Marktwachstum von 3,17 bis 5,3 Prozent aus.   

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: HZDR, HZDRI, Valuates Reports, Mordor Intelligence, Oiger-Archiv