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Weil Corona länger dauert: Ökonomen senken Prognose

Der Energiesektor von Siemens konnte erst kürzlich wieder Großaufträge in Ägypten und in Belgien an Land ziehen - hier ein Blick in die Turbinenmontage im Berliner Siemens-Werk. Das IfW rechnet damit, dass sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland noch beschleunigen wird. Foto: Siemens
Foto: Siemens

Nur 3,7  statt 4,7 % Wachstum: Seuche und Überalterung bremsen deutsche Wirtschaft aus

München, 15. April 2021. Weil sich Impfkampagne und Corona länger hinschleppen als gedacht und Deutschland weiter überaltert, haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute im deutschsprachigen Raum ihre Wachstumsprognose für 2021 nun um einen Prozentpunkt auf 3,7 Prozent abgesenkt. Das geht aus dem gemeinsamen Frühjahrsgutachten 2020 von Ifo München, DIW Berlin, der KOF Zürich, dem IfW Kiel, dem RWI Wien und dem IWH in Halle hervor.

Die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung in Deutschland 2018 bis 2020 und die Prognosen für 2021 und 2022. Grafik: Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2021
Die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung in Deutschland 2018 bis 2020 und die Prognosen für 2021 und 2022. Grafik: Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2021

Noch vor einem Jahr hatten die Institute sogar noch 5,8 Prozent Wirtschaftswachstum für 2021 prophezeit. „Aufgrund des anhaltenden Shutdowns dürfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 1,8 Prozent gesunken sein“, schätzte Konjunkturchef Torsten Schmidt vom Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) ein.

Ökonomen gehen davon aus, das Merkel die Bundesbremse zieht

Für 2022 erwarten die Ökonomen dann ein Plus von 3,9 Prozent. Dabei gehen sie davon aus, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zunächst die Bundesnotbremse zieht und Ausgangssperren anordnet, den Ausnahmezustand dann aber bis Ende September schrittweise aufhebt. „Im Zuge der Lockerungen erwarten wir für das Sommerhalbjahr eine kräftige Ausweitung der Wirtschaftsaktivität, vor allem bei den von der Pandemie besonders betroffenen Dienstleistungsbereichen“, erklärte Schmidt.

Allerdings sind es nicht allein direkte und indirekte Corona-Effekte, die die deutsche Wirtschaft ausbremsen: „Die Konsequenzen des demografischen Wandels in Deutschland rücken immer näher“, warnen die Forscher und Forscherinnen. „Mit dem Eintritt der Babyboomer in das Rentenalter wird die Erwerbsbevölkerung in wenigen Jahren schrumpfen und der Anteil der Älteren deutlich steigen. Die Folgen für das Potenzialwachstum sind beträchtlich: Bis zum Jahr 2030 muss mit einer Verringerung der jährlichen Potenzialwachstumsrate um rund einen Prozentpunkt gerechnet werden.“

Autor: hw

Quellen: Ifo, IfW, IWH u. a.

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger