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Uni Dresden richtet Sommerschule für Material-Genomik aus

Beispiel für eine auf Basis von Materialsimulationen designte Struktur. Foto: H. Eckert für die TU Dresden

Beispiel für eine auf Basis von Materialsimulationen designte Struktur. Foto: H. Eckert für die TU Dresden

Designer-Werkstoffe der Zukunft kommen aus dem Computer statt aus der Alchemisten-Küche

Dresden, 17. August 2020. Statt mit Metallen und Keramiken wie die Alchemisten nur herumzuprobieren, wollen heutige Materialforscher innovative Hightech-Werkstoffe ähnlich wie die Erbgutdaten des Menschen analysieren: Computer sollen in Zukunft durch Simulationen Designer-Materialien mit genau der gewünschten Härte, Biegsamkeit, Leitfähigkeit, Magnetkraft oder Hitze-Beständigkeit entwerfen. Und sie sollen gleich auch noch das Herstellungs-Rezept dafür liefern. Dieser Ansatz nennt sich „Materials Genome Engineering“ und ist das Leitthema einer internationalen Sommerschule, die heute an der TU Dresden begonnen hat.

Prof. Gianaurelio Cuniberti leitet das neue Zentrum DCCMS. Foto. Heiko Weckbrodt

Prof. Gianaurelio Cuniberti. Foto. Heiko Weckbrodt

Materialforscher Cuniberti sieht neues Paradigma der Werkstoffentwicklung

„Darunter versteht man den Übergang zu einem neuen Paradigma in der Werkstoffentwicklung“, erklärte Prof. Gianaurelio Cuniberti, der an der Dresdner Uni den Lehrstuhl für Materialwissenschaft und Nanotechnik leitet. Die Material-Genomik führe „weg von einem traditionellen trial-and-error-Modus hin zu einer Herangehensweise mit rational gestalteten Experimenten.“

Corona macht aus Akademikertreff eine virtuelle Sommerschule

Wegen Corona reisen in diesem Jahr die Nachwuchs-Materialforscher aus aller Welt nicht persönlich an, sondern beteiligen sich vom 17. bis zum 21. August 2020 auf digitalen Kanälen an der virtuellen Sommerschule. Das hat auch Vorteile, denn dadurch sind diesmal mehr internationale Akademiker als sonst an Bord. Insgesamt erwarten Prof. Gianaurelio Cuniberti von der TUD und Prof. Sibylle Gemming vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), die die Sommerschule organisieren, mehr als 60 Nachwuchsforscher aus 22 Ländern. Die Referenten und Referentinnen kommen aus den USA (Lawrence Berkeley National Laboratory, Duke University, Carnegie Mellon University), Großbritannien (Imperial College London), der Schweiz (EPFL Lausanne), China (Shanghai Jiao Tong University) und Deutschland (Humboldt-Universität Berlin, GTT Technologies).

Traditionsreicher Standort der Materialforschung

Dresden gilt in Deutschland als ein wichtiger und traditionsreicher Standort der Materialforschung. Neben der TU arbeiten hier außeruniversitäre und auch private Institute an neuen Werkstoffen. Mit dem „Dresden Center for Nanoanalysis” (DCN) hat die Uni inzwischen auch ein besonders modernes Analyselabor für die Werkstoffentwicklung. Der Versuch, auch Bundes-Exzellenzmillionen für ein neues „Zentrum für Materiomik Dresden“ (DCM) auf dem Campus einzuwerben, waren allerdings fürs Erste misslungen.

Autor: hw

Quelle: TUD, Oiger-Archiv