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Genetiker aus Dresden wollen Superkräfte der Fledermäuse entschlüsseln

Extrem resistent gegen Krankheiten, Krebs und Alter, verbreitet aber an andere Spezies durchaus Viren wie Corna: die Fledermaus - hier eine Myotis myotis (Großes Mausohr). Foto: Olivier Farcy für das MPI-CBG

Extrem resistent gegen Krankheiten, Krebs und Alter, verbreitet aber an andere Spezies durchaus Viren wie Corna: die Fledermaus – hier eine Myotis myotis (Großes Mausohr). Foto: Olivier Farcy für das MPI-CBG

Warum verbreiten die Flattertiere tödliche Viren, sterben aber nicht daran? Das dekodierte Erbgut soll die Antworten liefern.

Dresden, 23. Juli 2020. Fledermäuse sind in jüngster Zeit als Virenschleudern und Brücken-Fastverhinderer etwas in Verruf geraten. Aber womöglich gilt auch hier die Losung: „Von Fledermäusen lernen heißt siegen lernen.“ Denn die kleinen Flattertiere übertragen zwar zum Beispiel Corona-Erreger, sind selbst aber extrem widerstandsfähig gegen Viren, Krebs und Alterung. Sie überleben Krankheiten, an denen andere sterben. Sie beherrschen die Echoortung und können im Dunkeln fliegen. Um all diese Superkräfte besser zu verstehen und künftig womöglich auch für den Menschen nutzbar zu machen, haben Genetiker aus Dresden nun das fledermäusische Erbgut in einer bis dahin unerreichten Genauigkeit entschlüsselt. Das hat das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) aus Dresden mitgeteilt, das an dem Entschlüsselungsprojekt maßgebend beteiligt war.

Fledermäusische DNS könnte Ansätze für Kampf gegen Corona, Krebs und Alterung liefern

„Wir können nun besser verstehen, wie Fledermäuse Viren tolerieren, das Altern verlangsamen und Flug und Echoortung entwickelt haben“, erklärte Emma Teeling vom University College Dublin, die die Studie als Hauptautorin verfasst hat. „Mit diesem Wissen über die genetischen Eigenschaften der Fledermäuse lassen sich möglicherweise künftig Alterungsprozesse und Krankheiten des Menschen lindern.“

Die Fledermaus Myotis myotis (Großes Mausohr). Foto: Olivier Farcy für das MPI-CBG

Die Fledermaus Myotis myotis (Großes Mausohr). Foto: Olivier Farcy für das MPI-CBG

Dresdner Institute werfen ihre Hightech-Geräte „in einen Topf“

Um die aufwendige Erbgut-Entschlüsselung mit hoher Genauigkeit zu bewältigen, haben die Forscher Gen-Sequenzer, Spezialsoftware und andere Ressourcen des „Dresden-Concept Genome Centers“ (DGC) genutzt. Über diese Technologieplattform schaffen Dresdner Wissenschaftler seit geraumer Zeit gemeinsam modernste Analysetechnik an und nutzen sie auch institutsübergreifend.

Gene in einzigartiger Qualität entschlüsselt

Mit dieser Hightech-Plattform gelangen nun auch deutliche Fortschritte gegenüber den bisherigen eher „groben“ Bauplänen vom Fledermaus-Erbgut. „Mit den modernsten DNA-Sequenzierungstechnologien und neuen Computermethoden haben wir 96 bis 99 Prozent jedes Fledermausgenoms auf Chromosomenebene rekonstruiert und das in einer noch nie dagewesenen Qualität“, betonte Eugene Myers vom Zentrum für Systembiologie. Dies sei mit der Entschlüsselungs-Qualität des menschlichen Genoms vergleichbar. „Diese Fledermausgenome bieten eine hervorragende Grundlage für Experimente und evolutionäre Studien der faszinierenden Fähigkeiten und physiologischen Eigenschaften dieser Tiere“, ist der aus den USA stammende Genetik- und Informatik-Pionier überzeugt.

Bioinformatik-Star Eugene Myers ist dem Ruf nach Dresden gefolgt. Hier will er das neue Planck-Zentrum für Systembiologie aufbauen. Abb.: MPG

Bioinformatik-Star Eugene Myers. Abb.: MPG

Nächste Verwandte sind Katze, Robbe und Schuppentier

Ganz „nebenbei“ haben die Forscher dabei übrigens auch herausbekommen, was genetisch die nächsten Verwandten der Fledermaus sind: Hunde, Katzen, Robben, Schuppentiere, Wale und Huftiere.

Beteiligt am internationalen Fledermaus-Entschlüsselungsprojekt „Bat1K“ waren neben den MPI-CBG University College Dublin außerdem das Max-Planck-Institut für Psycholinguistik aus Nijmegen sowie das Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme und das Zentrum für Systembiologie Dresden.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: MPI-CBG

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