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TU-Forscher: Sachsen sollte sich für heiße Zukunft wappnen

Sonneneruption im März 2004 - solche Fotos werden im FITS-Format gespeichert. Abb.: ESA/NASA

Abb.: ESA/ NASA

Wenn die Spree in die falsche Richtung fließt, ist dies nur ein Vorgeschmack auf mögliche weitere Extremjahre

Dresden, 7. Juni 2019. Politiker, Wasserwirtschaftler, Bauern und Wissenschaftler im Sachsen sollten jetzt Konzepte erarbeiten, wie sie „langfristig mit zunehmender Wärme und Trockenheit“ begegnen wollen. Das hat der Hydrologe Thomas Pluntke vom Institut für Hydrologie und Meteorologie der TU Dresden im Vorfeld des Welttages für die Bekämpfung der Wüstenbildung und der Dürre (17. Juni) angeregt. Zwar sei in überschaubarer Zeit nicht mit Wüsten in Sachsen zu rechnen, wie von manchen nach dem großen Dürrejahr 2018 befürchtet. „Aber ohnehin trockene Regionen wie Nordsachsen oder die Lausitz werden mit noch weniger Niederschlägen und ausgeprägten Dürreperioden zurechtkommen müssen.“

Seit 1881 ist Durchschnitts-Temperatur um zwei Grad gestiegen

Die Forscher stützen sich dabei auf Messreihen, die teils bis zu 140 Jahre in die Vergangenheit zurückreichen. „Seit 1881 haben wir in Sachsen einen Temperaturanstieg von fast zwei Grad Celsius festgestellt. Damit steigt die Energie in der Atmosphäre an, mehr Wasser kann verdunsten. Auch das Potential für Starkniederschläge erhöht sich“, erklärt Thomas Pluntke. Die langfristigen Niederschlags-Trends seien da weniger eindeutig: In den vergangenen 60 Jahren nahmen die Regenmengen zu. „Ein Blick 140 Jahre zurück zeigt, dass dies auch nur Teil einer langfristigen Schwankung sein könnte.“

Aus statistischer Sicht stellt das Jahr 2018 ein Extremjahr dar“

2018 sei zweifellos ein Extremjahr gewesen: Es war seit 1881 das wärmste und zweittrockenste Jahr in Sachsen. „Damals führte die in Sachsen entspringende Spree teilweise so wenig Wasser, dass sie ihre Fließrichtung änderte“, erinnern die TU-Wissenschaftler an dieses Jahr. „Die Flutung der riesigen Braunkohlegruben in Sachsen und Brandenburg musste gestoppt werden, damit der Hauptstadt das Trinkwasser nicht ausging.“ Die Folgen: massive Ernteausfälle, Pflanzen und Tiere litten, die Böden erodierten stärker als in Normaljahren.

Waldbrände sind auch eine Spätfolge des Dürrejahres

Zwar seien 2019 kein solchen starken Kapriolen absehbar. Aber die Extremjahre graben sich eben tief in die Böden und die gesamte Ökosphäre ein. „Zwar konnte der Oberboden von den Niederschlägen im Winter und Frühjahr profitieren, die tieferen Bodenschichten sind allerdings immer noch trocken vom Vorjahr. Dies ist auch ein Grund für die sehr zeitigen Waldbrandprobleme in einigen Regionen in diesem Frühjahr“, erläutert Pluntke.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: TUD