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Digitalisierungsschub durch Corona an der Uni

Prof. Wolfgang Nagel leitet an der TU Dresden das Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen (ZIH). Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Prof. Wolfgang Nagel leitet an der TU Dresden das Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen (ZIH). Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Infrastruktur-Chef Nagel prognostiziert: TU Dresden wird dauerhaft mehr Vorlesungen und Konferenzen per Internet abwickeln.

Dresden, 20. Mai 2020. Die Corona-Krise wird für die Digitalisierung der TU Dresden auch langfristige Folgen haben. Damit rechnet Prof. Wolfgang Nagel vom „Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen“ (ZIH) der TU. Denn weit mehr Dozentinnen und Studierende als vor der Pandemie haben während des Notbetriebs internetgestützte Vorlesungen, Videokonferenzen und andere digitale Formate ausprobiert und sich nun zu guten Teilen auch daran gewöhnt.

Weniger Dienstreisen, mehr digitale Lehrangebote

„Derzeit ist zum Beispiel noch unklar, welche Rolle die Präsenzveranstaltungen im kommenden Wintersemester spielen können oder welche Lehrveranstaltungen weiter elektronisch angeboten werden können und sollen“, berichtet Wolfgang Nagel. „Und definitiv wird es in Zukunft deutlich mehr Videokonferenzen und Online-Lehrangebote, dafür aber wahrscheinlich weniger Dienstreisen als vor Corona geben. Die Infrastruktur dafür ist nun da.“

Plötzlich wollten alle Videokonferenzen machen

Schließlich hat das ZIH während des Notbetriebs, der am 21. März einsetzte und nach einem Monat schrittweise gelockert wurde, noch einmal kräftig nachgerüstet und neue virtuelle Server installiert. „Natürlich wollten plötzlich alle Videokonferenzen machen“; berichtet der ZIH-Direktor. „Das war eine Herausforderung für die Netze und da sind auch Nadelöhre sichtbar geworden, weil so viele Nutzer von außen auf die TU-Infrastruktur zugriffen haben.“

Luft nach oben

Zudem musste das Team mehrere Konferenzsysteme bereit halten, da nicht alle Nutzer die selben Techniken verwenden und aus Datenschutzgründen beispielsweise Prüfungen verschlüsselt und ohne den Umweg über US-amerikanische Rechnerknoten abgewickelt werden müssen. Als Supercomputer-Standort sei die TU Dresden aber bereits vor der Pandemie vergleichsweise gut an die großen Knoten des Wissenschaftsnetzes angeschlossen gewesen, betont Prof. Nagel. „Da blieb uns immer noch etwas Luft nach oben.“

Unis in Sachsen fördern schon seit Jahren das digitale Lernen – doch erst Corona entfachte starkes Interesse

Bereits in den vergangenen Jahren hatten die Universitäten in Sachsen über Plattformen und gemeinsame Unternehmen wie das Hochschuldidaktische Zentrum Sachsen oder das Bildungsportal Sachsen kooperiert, um digitale Lehr- und Studienformate zu entwickeln. Während der Corona-Krise war die Nachfrage dafür stark gewachsen. An der TU Dresden konnten die Dozenten während des Notbetriebs auf ein zentrales Portal zugreifen. Dort bietet das ZIH elektronische Werkzeuge für das Lernmanagement, für virtuelle Treffen, die Aufzeichnung von Vorlesungen beziehungsweise deren Echtzeitübertragung ins Internet und die digitale Zusammenarbeit, aber auch Programme wie Onyx, mit denen die Professoren den Lernfortschritt ihrer Studenten testen können.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Interview mit W. Nagel, ZIH der TUD