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Deutsche Rechenzentren haben höchste Energiekosten

Stromkosten für Rechenzentren in ausgewählten europäischen Ländern. In Deutschland ist der elektrische Betrieb von Rechenzentren am teuersten. Grafik: Bitkom
Stromkosten für Rechenzentren in ausgewählten europäischen Ländern. In Deutschland ist der elektrische Betrieb von Rechenzentren am teuersten. Grafik: Bitkom

Bitkom: Das ist ein ernster Standortnachteil für die Bundesrepublik

Berlin, 24. Januar 2020. Rechenzentren in Deutschland haben weit höhere Stromkosten als vergleichbare Einrichtungen in Europa. Dies sei ein ernster Wettbewerbsnachteil bei der digitalen Transformation der Gesellschaft, warnt der deutsche Digitalwirtschaftsverband „Bitkom“ aus Berlin.

113,11 Euro pro Megawattstunde – soviel kostet’s nirgendwo sonst in Europa

Demnach mussten die Betreiber von deutschen Rechenzentren im Jahr 2019 mit 113,11 Euro pro Megawattstunde (MWh) kalkulieren. „Die Kosten sind bis zu sechsmal höher als in Nachbarländern“, betonte der Bitkom. Besonders preiswert ist der Strom für Rechenzentren in den Niederlanden. Dort müssen die Betreiber im Schnitt nur 17,08 Euro/MWh zahlen. Auch in Schweden (17,70 €/MWh) und Finnland (21,97 €/MWh) sind die Stromkosten erheblich niedriger als in Deutschland.

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf verfügt Supercomputer, mit denen sich Algorithmen für noch leistungsstärkere Rechner schon mal testen lassen. Foto: Detlev Müller für das HZDR
rechenzentrum im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Foto: Detlev Müller für das HZDR

Vor allem Abgabenlast sorgt für hohe Preise

Verantwortlich dafür sind laut Bitkom die hohe Abgabenlast in der Bundesrepublik und insbesondere die Kosten der Energiewende: Die Strom-Erzeugungskosten seien in Europa recht ähnlich, betonte der Verband. Größter Preistreiber in Deutschland sei die Umlage nach dem „Erneuerbare Energien-Gesetz“ (EEG), mit der zum Beispiel Solar- und Windkraftanlagen subventioniert werden.

Verbands-Chef: „Steuern, Abgaben und Netzentgelte machen rund 70 Prozent der Stromkosten aus“

„Die im europäischen Vergleich sehr hohen Stromkosten sind ein entscheidender Standortnachteil für deutsche Rechenzentren“, kritisierte Bitkom- Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Steuern, Abgaben und Netzentgelte machen rund 70 Prozent der Stromkosten aus, die wiederum oftmals die Hälfte der gesamten Betriebskosten betragen.“

Das macht auch deutsche Cloud-Lösungen teuer

Wenn Deutschland zu unattraktiv als Standort für Rechenzentren ist, dürften auch viele wirtschafts- und datenschutzpolitische Pläne nicht aufgehen: Eigene Cloud-Dienste, um hiesige Daten besser gegen ausländische Geheimdienste und Industriespione zu schützen, ebenso wie viele andere Dienstleistungen, die wichtig für die digitale Evolution sind, sind dann in der Bundesrepublik schwer realisierbar.

Autor: hw

Quelle: Bitkom

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger