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IfW-Ökonomen: Handelskrieg war für USA ein Verlustgeschäft

Peking. Foto: Axel Buchwitz

Phase-1-Deal beschlossen

Kiel, 15. Januar 2020. Auch wenn jetzt ein kleiner „Deal“ beschlossen ist: Für die USA war Donald Trumps Handelskrieg mit China ein Minusgeschäft. Das haben Ökonomen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel errechnet.

Defizit gesenkt – aber teuer erkauft

Demnach ist das Handelsvolumen zwischen den USA und China durch den Streit um 90 Milliarden Dollar gesunken. Trump konnte zwar auch das US-Handelsbilanzdefizit mit China um reichlich 50 Milliarden Dollar drücken. Aber: „Der Rückgang des Handelsdefizits mit China ist für die USA teuer erkauft“, schätzte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr ein. „Billige Importe aus China etwa im Bereich industrieller Vorprodukte und Investitionsgüter mussten durch teure Importe aus Industrieländern wie der EU kompensiert werden. In der Gesamtbilanz der USA ändert sich daher nichts. Der volkswirtschaftliche Schaden wird allerdings durch Zolleinnahmen von voraussichtlich 35 Milliarden US-Dollar abgemildert.“

Chinas Billiglieferungen durch teure andere Importe ersetzt: Gesamtdefizit steigt auf Rekordwert

Am deutlichsten seien 2019 die US-Importe aus der Eurozone (+25 Mrd. USD), Mexiko (+18 Mrd. USD) und Taiwan (+10 Mrd. USD) angewachsen, hieß es vom IfW. Die Importe aus Deutschland seien ebenfalls gestiegen, allerdings nur schwach. „Das Gesamtdefizit der US-Handelsbilanz mit dem Rest der Welt dürfte daher 2019 einen neuen Rekordwert von 911 Milliarden US-Dollar erreichen.“

Felbermayr: Deal verstößt gegen WTO-Regeln

Zudem verstoße der sogenannte Phase-1-Deal mit China vermutlich den Regeln der Welthandelsorganisation WTO, meint Felbermayr. Der Deal hebele marktwirtschaftliche Prinzipien zugunsten der USA und zulasten von Drittländern aus, da er die Chinesen verpflichte, bestimmte Güter in den USA in vorgegebenen Volumina in den Vereinigten Staaten einzukaufen. „Managed Trade, also explizite Vereinbarungen über Handelsvolumen für bestimmte Produktgruppen, verstößt außerdem klar gegen die Richtlinien der WTO“, betonte Felbermayr.

Allerdings wird das Trump vermutlich nicht allzu sehr scheren: Indem er verhinderte, das Schlichtungsposten in der Welthandelsorganisation nachbesetzt werden, hat er die WTO nach Meinung vieler Beobachter de facto handlungsunfähig gemacht.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: IfW Kiel