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DVD „Das Ende der Wahrheit“: Im Filz von BND und Privatmilitär

Einst wusste Martin Behrens (Ronald Zehrfeld), warum er für den BND arbeiten wollte - inzwischen hat er es längst vergessen. Szenenfoto aus "Das Ende der Wahrheit": Bernd Schuller

Einst wusste Martin Behrens (Ronald Zehrfeld), warum er für den BND arbeiten wollte – inzwischen hat er es längst vergessen. Szenenfoto aus “Das Ende der Wahrheit”: Bernd Schuller

Neuer Thriller mit Ronald Zehrfeld

Einen kritischen Blick auf Seilschaften zwischen Geheimdiensten und privaten Militärkonzernen wirft Regisseur Philipp Leinemann („Wir waren Könige“) in seinem neuen Thriller „Das Ende der Wahrheit“, der heute fürs Heimkino erschienen ist. Ronald Zehrfeld („Der Staat gegen Fritz Bauer“) spielt darin einen BND-Agenten der alten Schule, der eine Intrige im Dunstkreis von Terror und Lobbyismus aufdeckt.

Die Story: Getürkter Terroranschlag führt deutschen Geheimdienstmann auf eine heiße Spur

Die Journalistin Aurice Köhler (Antje Traue) will sich in einem Müncher Emigranten-Café mit einem Aussteiger treffen, der ihr skandalöse Verstrickungen des Sicherheitsunternehmens „Global Logistics“ flüstern will. Doch dazu kommt es nicht mehr: Zwei Maskierte stürmen das Lokal, erschießen alle, die ihnen vor den Lauf kommen. BND-Agent Martin Behrens (Ronald Zehrfeld), der mit Aurice insgeheim liiert war, ist misstrauisch, zweifelt bald an der offiziellen Version, seine Geliebte sei zufällig in einen Terroranschlag hineingeraten. Gegen den Widerstand abgeleckter junger BND-Technokraten wie Patrick Lemke (Alexander Fehling) und seiner Chefin Aline Schilling (Claudia Michelsen) ermittelt Behrens auf eigene Faust weiter. Und dabei stößt er auf ein todbringenden Filz aus Söldnerfirmen, asiatischer Autokraten und Terroristen, der bis weit in die eigenen Reihen des deutschen Auslandsgeheimdienstes reicht.

Werbevideo (Prokino):

Fiktiv verpackte Kritik an Lobby-Unwesen, Privatisierung des Krieges und Todes-Drohnen

Die Story mag in großen Teilen erfunden und verdichtet sein und nur lose auf den Geschichten echter Agenten beruhen – das Bild jedenfalls, dass Philipp Leinemann da von den deutschen Geheimdiensten zeichnet, ist kein schmeichelhaftes: Die Mitarbeiter beschäftigen sich mehr mit Intrigen statt mit Recherche, schicken ihre Gewährsleute leichtfertig in den Tod und viele von arbeiten nur daraufhin, hinterher einen gutdotierten Ausruh-Job in der Privatwirtschaft zu ergattern. „Das ist der neue Lobbyismus: Bezahlt wird später“, lässt er einen der Versumpften sagen. In einem Interview, das in der Bonussektion zu finden ist, ist Philipp Leinemanns Kritik noch schärfer: Er sehe „eine große Gefahr für die Demokratie, wenn private Unternehmen hoheitliche Aufgaben übernehmen.“ Und auch dem technologisch-distanzierten „Kampf gegen den Terror“, der längst den schmutzigen Einsatz vor Ort abgelöst hat, kann er nichts abgewinnen: „Heute bringt man mit Drohnen Menschen präventiv in anderen Ländern um, ohne auch nur den Krieg zu erklären.“

Fazit: Aktionsreicher und zynischer Thriller

Verpackt hat er diese Botschaften in knackiges Action-Kino, das ein wenig an die zynischen, desillusionierten Thriller der 1970er erinnert, als Hollywood noch Biss hatte. Dabei setzt er aber auf eine europäische Stilsprache, ohne in die platten Dialoge mancher deutscher Möchtegern-Actionreißer abzudriften.

Cover von "Das Ende der Wahrheit". Abb.: Prokino

Cover von “Das Ende der Wahrheit”. Abb.: Prokino

Kurzüberblick

  • Titel: „Das Ende der Wahrheit“
  • Genre: Agententhriller
  • Produktionsland und -jahr: Deutschland 2018
  • Regie: Philipp Leinemann
  • Darsteller: Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling, Claudia Michelsen, Antje Traue
  • Laufzeit: 105 Minuten plus 33 Minuten Bonusmaterial
  • Bonussektion: Interviews mit Regisseur Philipp Leinemann und Hauptdarsteller Ronald Zehrfeld sowie ein Zusammenschnitt eingesetzter Spezialeffekte
  • Alterseinstufung: FSK 16
  • Heimkino-Veröffentlichung: 7.11.2019 durch Prokino
  • Preis: per Internetstrom 5 Euro (Leihen) oder 10 Euro (Kaufen), DVD 13 Euro, Bluray 15 Euro

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt