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„Luftikus und Tausendsassa“: Ausflug zu den (fast) vergessenen Worten

Nichts ist schöner als Firlefanz - so lange man ihn selbst anstellt. Abb.: Dawn Parisi, aus: „Luftikus und Tausendsassa"
Nichts ist schöner als Firlefanz – so lange man ihn selbst anstellt. Abb.: Dawn Parisi, aus: „Luftikus und Tausendsassa“

Duden-Buch erzählt über die Ursprünge vieler Finessen der deutschen Sprache

Was tun, wenn der Backfisch daheim Fisimatenten macht, nur Flausen im Kopf hat und zu einem Luftikus zu werden droht? Vielleicht das unterhaltsame Buch „Luftikus und Tausendsassa – Verliebt in 100 vergessene Wörter“ aufschlagen und dort nachlesen, woher diese fast vergessenen Worte kamen und was sie ursprünglich mal bedeutet haben. All dies haben die Literaturredakteurin Katharina Mahrenholtz und die Gestalterin Dawn Parisi mit viel Witz und Begeisterung für die Finessen der deutschen Sprache aufgeschrieben und illustriert.

Lasst dass sterbende Blau nicht sterben!

Darin erfahren wir beispielsweise, dass unsere Haut ein „sterbendes Blau“ annehmen sollte, wenn uns blümerant wird. Denn von eben dieser französischen Farbbezeichnung rühren die traditionell letzten Worte vor einer Ohnmacht her. Auch wird uns klargemacht, dass der „Hagestolz“ seit jeher ein trauriges Dasein gefristet hat, dass der Backfisch zwar altmodisch, aber doch viel einfallsreicher als „Teenie“ klingt, und dass der Firlefanz einst ein lustiger altfranzösischer Hüpftanz war.

Komm in mein Zelt, oh holde Maid!

Und auch ein paar etymologische Stories, die nicht 100-pro verbürgt sind, aber den Sprachfreund dennoch einfach begeistern, flechten die Autoren ein. Die erwähnten „Fisimatenten“ zum Beispiel kamen womöglich auf, als Napoleons Soldaten in Deutschland ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Und die Franzmänner sollen allabendlich die holden germanischen Maiden gebeten haben: „Visitez ma tente!“ (Besuchen Sie mein Zelt!). Dies hätten die Eltern gehört und eben diese Mädels ebenfalls allabendlich ermahnt: „Aber keine Vistematente!“ Auch wenn diese Herleitung wahrscheinlich nicht stimmt – hinreißend ist sie auf jeden Fall.

Fazit: Ein Festbankett für Sprach-Feinschmecker

Wer sich für die Feinheiten und den immensen peripheren Wortschatz der deutschen Sprache interessiert, wird dieses nett illustrierte Buch mit größter Faszination verschlingen: Es ist lustig, bemerkenswert und ruft uns allerliebste Wörter in Erinnerung, die völlig zu Unrecht unterzugehen drohen. Sehr amüsant!

Kurzübersicht:

    • Titel: „Luftikus und Tausendsassa – Verliebt in 100 vergessene Wörter“
    • Autorinnen: Katharina Mahrenholtz und Dawn Parisi
    • Genre: Sachbuch
    • Verlag: Duden
    • Erscheinungsjahr: 2018
    • Umfang: 160 Seiten
    • ISBN: 978-3-411-71135-2
    • Preis: 15 Euro
    • Leseprobe hier:

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger