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Börse gilt vielen Deutschen so riskant wie Roulette

Geld, Münzen. Foto: stevepb, Pixabay, Lizenz: CC0 Public Domain
Foto: stevepb, Pixabay, Lizenz: CC0 Public Domain

Dotcom-Crash steckt Kleinanlagern noch tief in den Knochen

Köln, 30. November 2017. 17 Jahre, nachdem die sogenannte „Dotcom-Blase“ an der Börse platzte und vielen Kleinanlegern hohe Verluste bescherte, verhalten sich die Deutschen immer noch wie gebrannte Kinder: Nur jeder siebte Bundesbürger besitzt noch Aktien oder Aktienfonds. 58 Prozent sehen dagegen „unkontrollierbare Risiken“, wenn sie an der Börse spekulieren würden. Fast die Hälfte ist sogar der Meinung, dass „Geldanlage an der Börse genauso riskant ist wie ins Spielcasino zu gehen.“ Dies hat eine Umfrage von „YouGov“ im Auftrag des Versicherungs- und Finanzdienstleisters AXA ergeben.

Sachsen misstrauen Anlageberatern besonders stark

Die AXA-Auswerter vermuten hinter dieser Börsenskepsis der Bundesbürger die vielzitierte „German Angst“, wie die mangelnde Risikobereitschaft vieler Deutscher im Ausland gern genannt wird. Besonders ausgeprägt ist die übrigens in Thüringen in Sachsen, wo die Schar der Aktien-Verweigerer besonders groß ist. In keinem anderen Bundesland finden es so wenige Bürger grundsätzlich hochinteressant, Geld an der Börse anzulegen (Sachsen 34 %, Bundesschnitt 42 %). Zudem sitzt das Misstrauen der Sachsen gegen Anlageberater besonders tief: 53 Prozent der Befragten im Freistaat gehen davon aus, dass bei einer Anlageberatung dann die Gebühren für die Geldanlage höher sind als der Ertrag. Im Bundesdurchschnitt befürchten dies nur 40 Prozent.

Die geplatzte Dotcom-Blase

Zur Erinnerung: Gegen Ende der 1990er Jahre war in Deutschland ein Börsenfieber ausgebrochen, das durch die Werbung für die Telekom-Aktie und teils schwindelerregende Kurssteigerungen frischnotierter Firmen stark angeheizt wurde. Viele Kleinanleger ohne jede Börsen- oder Wirtschaftskenntnisse investierten ihre Ersparnisse in oft eher halbseidene Internet-Unternehmungen – von der Internet-Adressendung .com kam auch die Bezeichnung Dotcom-Ökonomie. Im Frühjahr 2000 platzte diese Spekulationsblase. Die Kursstürze bescherten vor allem den unerfahrenen Kleinanlegern, die – anders als die Profis – nicht rechtzeitig verkauften, schmerzhafte finanzielle Verluste. Von diesem Crash hat sich die deutsche Anlage-Kultur bis heute nicht erholt.

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

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