News, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik
Schreibe einen Kommentar

SEMICON in Dresden eröffnet: Halbleiter-Industrie rechnet für 2013 mit mehr Wachstum

Gerade auch Ausrüster wie Applied Materials können auf gute Geschäfte auf der Semicon in Dresden hoffen. Abb.: hw

Gerade auch Ausrüster wie Applied Materials können auf gute Geschäfte auf der Semicon in Dresden hoffen. Abb.: hw

SEMI-Präsident Denis Mc Guirk. Abb.: SEMI

SEMI-Präsident Dennis P. McGuirk. Abb.: SEMI

Dresden, 9. Oktober 2013: Nach einem letztlich doch eher schwachem Jahr 2012 wird die Halbleiterindustrie im kommenden Jahr voraussichtlich wieder stärker wachsen – um mindestens sechs Prozent. Das hat SEMI-Präsident Denny Mc Guirk heute zum Auftakt von Europas größter Mikroelektronik-Messe „SEMICON Europe“ (9.-11. Oktober 2012) in Dresden prognostiziert. Als Markttreiber sieht er die hohe Nachfrage nach Computertelefonen („Smartphones“), Tablettrechnern und “Mikroeletromechanischen Systemen” (MEMS) sowie den Aufschwung von Auftragsfertigern wie Globalfoundries und TSMC.

Besonders stark wird laut SEMI-Erwartungen der Foundry-Markt zulegen – ein Trend, der sich bereits in den vergangenen Jahren angebahnt hatte, da immer mehr Halbleiterfirmen aus der eigenen Produktion aussteigen und auf Auftragsfertiger setzen, um die rasant steigenden Kapitalkosten für neue Chipfabriken zu sparen.

Vor allem die Ausbauprogramme der taiwanesischen Foundry TSMC dürften auch der Ausrüstungsindustrie neue Aufträge bescheren: Hier rechnet SEMI mit einem Anstieg von etwa 37 Milliarden US-Dollar auf zirka 43 Milliarden Dollar für Fabrik-Equipment im Jahr 2013. Der Materialmarkt für Chipfabriken soll laut Prognose von 48,6 (2012) auf 50,74 (2013) Milliarden Dollar zulegen.

Die Wachstumsprognosen der Analysten für die Halbleiterindustrie 2013 differieren stark. Abb.: SEMI

Die Wachstumsprognosen der Analysten für die Halbleiterindustrie 2013 differieren stark. Abb.: SEMI

Im Jahr 2012 hatte sich allerdings zunächst auch ein starkes Wachstum der Halbleiterindustrie und der Ausrüster abgezeichnet, in der zweiten Jahreshälfte hatten sich Nachfrage undInvestitionsfreudigkeit aber stark abgekühlt.

Globalfoundries-Wijburg rechnet mit einem “End Game”

Zugleich verwiesen die Halbleiter-Experten auf die großen Herausforderungen, vor denen die Branche stehe. Vor allem der bevorstehende Umstieg auf 450 statt 300 Millimeter große Siliziumscheiben (Wafer) und die neue Chip-Belichtungstechnik EUV werde extrem kapitalintensiv sein. Der Dresdner Globalfoundries-Chef Rutger Wijburg sprach gar von einem „End Game“, einem „Endkampf“ der Branche, bei dem womöglich nur wenige, ganz große Marktteilnehmer in der Spitzenliga übrig bleiben. „Europa sollte da besser mitspielen“, sagte Wijburg.

Heinz Kundert, Präsident von Semi Europe

Heinz Kundert, Präsident von Semi Europe

Ähnlich wie am Vortag bereits die Vertreter der neuen europäischen Chip-Allianz „Silicon Europe“ (Der Oiger berichtete) forderte der europäische SEMI-Präsident Heinz Kundert neue Ansätze in der EU-Industriepolitik: Wolle Europa wettbewerbsfähig bleiben, müsse sich die Rolle der Mikroelektronik als Schlüsseltechnologie für andere Branchen „auch in den EU-Förderprogrammen wiederfinden“.

Zumindest beim Gastgeber Sachsen rennt Kundert mit diesen Wünschen offene Türen ein. „Die Mikroelektronik ist die zentrale Schlüsseltechnologie für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas“, betonte Landes-Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos). Der künftige Wohlstand der Menschen hänge auch davon ab, ob es Europa schaffe, sich im Hochtechnologiesektor künftig zu behaupten.

Nur zwei Spitzenstandorte in Europa

Und innerhalb der europäischen Halbleiter-Branche nimmt Deutschland wiederum eine Schlüsselrolle ein: Unter 270 Chipfabriken in diesem Wirtschaftsraum nimmt die Bundesrepublik mit 86 solcher Werke den Spitzenplatz ein. Und an vorderster technologischer Front stehen eigentlich nur zwei Standorte, die potenziell auch für eine 450-mm-Fabrik in Frage kämen: Globalfoundries in Dresden und Intel im irischen Leixlip.

Über 8000 Besucher zur SEMICON erwartet
Rutger Wijburg. Abb.: GF

Rutger Wijburg. Abb.: GF

Kein Wunder insofern, dass der Branchenverband „SEMI“ schon zum vierten Mal Europas wichtigste Branchen-Leitmesse in Dresden ausrichtet. Über 8000 Besucher erwarten die Veranstalter diesmal, etwa 350 Aussteller – plus weitere 60 auf der Partnermesse „Plastic Electronics“, die parallel zur „SEMICON Europe“ bis Donnerstag in der Messe Dresden stattfindet.

Nachfrageschub durch MEMS, Smartphones und Tablets erwartet

Thematische Schwerpunkte werden diesmal unter anderem die erwähnten Herausforderungen beim Umstieg auf 450-mm-Wafer und Röntgen-Lithografie sein. Aber beispielsweise auch die stark steigende Nachfrage für „Mikroelektromechanische Systeme“ (MEMS). Die nämlich werden als Mikro-Kreiselkompasse, Beschleunigungssensoren und als andere Miniatur-Funktionsriesen in Computertelefonen, Tablets, Autos, Medizinanlagen und vielen anderen Geräten zunehmend gebraucht. Heiko Weckbrodt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.